T4b00

Eröffnung

24.10.2024 ab 18 Uhr

19 Uhr
Performance »CURE VIII«
von Jena Jang

20:15 Uhr
DJane FunkyKid

Eintritt frei

Am Donnerstag, den 24. Oktober 2024, lädt der Bärenzwinger herzlich zur Eröffnung der Ausstellung »T4b00« ein.

Tabus sind unsichtbare Linien, die Individuen und Gemeinschaften rahmen. Sie sind tief in der Geschichte verwurzelt, kulturell geprägt und beeinflussen unsere Wahrnehmung sowie unser Verständnis von Identität.
»T4b00«, die vierte Ausstellung unseres Jahresprogramms KANTEN UND KNOTEN, erforscht die Auswirkungen von Tabus auf Individuen und Gesellschaft. Sechs durch einen Open Call ausgewählte künstlerische Positionen machen Tabus aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar und schaffen einen dialogischen Raum für Reflexion und Perspektivwechsel.

Der Titel »T4b00« spielt mit der Visualisierung und Verfremdung des Begriffs »Tabu«. Durch die bewusste Codierung des Wortes wird die verborgene und gleichzeitig allgegenwärtige Natur von Tabus verdeutlicht – etwas, das unausgesprochen bleibt, aber dennoch im Raum steht.

Mit der Macht der Sprache und insbesondere der transformativen Kraft von Namen als Träger von Identitäten und Erinnerung setzt sich Anna Banout in ihrer skulpturalen Arbeit auseinander. Sven Bergelts Videoarbeit visualisiert, wie tief Tabus in uns wirken und unser Handeln bestimmen. Dabei werden Fragen nach innerer und äußerer Freiheit verhandelt. Peng Li thematisiert in seinen Arbeiten die allgegenwärtige Zensur in China am Beispiel von Winnie Pooh sowie dem Verbot ausgewählter Informationen und Ereignisse während der Corona-Pandemie.

Takashi Kunimoto beschäftigt sich in seiner Videoarbeit mit dem Thema Intersexualität und befragt normative Vorstellungen von Identität und Geschlecht. Rupert Enticknap beleuchtet in einer Soundinstallation tabuisierte Aspekte von männlich gelesenen Identitäten, wie dem Ausdruck von Trauer. Camila Rhodi setzt sich in ihrer Videoinstallation mit Trauma und sexueller Gewalt auseinander. Mit einem Fokus auf weibliche Perspektiven fordert Rhodi das Publikum auf, über die Unsichtbarkeit und Tabuisierung von (sexueller) Gewalt in unserer patriarchalen Gesellschaft nachzudenken.

R Stein Wexlers partizipative Installation lädt die Öffentlichkeit ein, anonym Antworten auf die Frage »What would you think, say, or do if it weren’t taboo?« einzureichen. Einsendungen hier.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Rahmenprogramm mit Ausstellungsrundgängen, Performances, Experimentellem Open Air Kino, Tabu-Talks sowie verschiedenen Vermittlungsangeboten.

Mit künstlerischen Beiträgen von Anna Banout, Sven Bergelt, Rupert Enticknap, Takashi Kunimoto, Peng Li und Camila Rhodi

Sowie einer partizipativen Installation von R Stein Wexler.

Performance: »CURE VIII« und DJ-Set von FunkyKid

Jena Jangs Performance »CURE VIII« ist Teil einer fortlaufenden Reihe, die seit 2020 im Rahmen ihres Promotionsprogramms im Bereich zeitbasierte Medien (Visuelle Kommunikation) entwickelt wird. Inspiriert von der japanischen Butoh-Tanztechnik und dem Konzept des „Körpers ohne Organe“, erforscht Jang die Verkörperung von Entitäten jenseits des menschlichen Egos. Themen wie Aberglaube, Schamanismus, alte Zeremonien, spirituelle Praktiken und Heilrituale fließen in ihre Arbeit ein, um die kulturelle, anthropologische und historische Bedeutung dieser oft übersehenen Praktiken in zeitgenössische Kunst und Musik zu übertragen. Jangs Performances erinnern an jene verborgenen Aspekte der Existenz, die sich der wissenschaftlichen Erklärbarkeit entziehen.

In »CURE VIII« zielt Jang darauf ab, eine Verbindung zur ursprünglichen Energie der Natur wiederherzustellen. Magischer Gesang und Tanz schaffen einen rituellen Raum, der die kulturellen Wurzeln und die Einheit zwischen Mensch und Natur aufgreift. Das Publikum ist eingeladen, im Kreis um Jang zu sitzen oder zu stehen, in einer Anordnung, die an alte Versammlungen erinnert. Dabei steht es allen frei, sich dem Tanz anzuschließen.

Bio:
Jena Jang, geboren in Südkorea, lebt und arbeitet als Vokalistin, experimentelle Musikerin und Performancekünstlerin in Prag, Tschechien. Jang kombiniert kraftvolle Elektronik, erweiterte Vokaltechniken und handgebaute modulare Synthesizer zu rohen, energetischen Performances. Beeinflusst von buddhistischen Gesängen, yogischen Atemübungen und koreanischen Musiktraditionen wie Pansori und Samulnori, verbindet Jang physische Ausdrucksformen wie Headbanging und Kriechen, um Traumata und negative Erinnerungen in kathartische Erlebnisse zu verwandeln. Tanz, Yoga und Atemtechniken spielen in Jangs interdisziplinärer Praxis eine zentrale Rolle.

FunkyKid ist eine tunesische DJane und Produzentin, die in Berlin lebt. Ihre Musik ist ein Ausdruck ihrer verspielten, humorvollen Persönlichkeit und umfasst energiegeladenen Techno und Trance mit schnellen, treibenden 150 BPM.

Halloween-Special
Ausstellungsrundgang [in deutscher Sprache]

Donnerstag, den 31. Oktober 2024, um 19:30 Uhr

Eintritt frei

Keine Anmeldung erforderlich.

Sprache: Deutsch

Tauchen Sie dieses Halloween mit uns ein in die Tiefen der Tabus! Begleiten Sie die Kuratorinnen Vanessa Göppner und Janine Pauleck auf einer Führung durch »T4b00« im Bärenzwinger.
Tabus sind die unsichtbaren Linien, die Individuen und Gemeinschaften formen und tief in unsere Geschichte und Kultur eingewoben sind.

Sie beeinflussen, wie wir Identität wahrnehmen und verstehen. Begeben Sie sich mit uns auf eine Reise ins Herz dessen, was wir oft verbergen, während der Ausstellungsrundgang die Auswirkungen von Tabus auf Individuen und Gesellschaften entschlüsselt. Sechs künstlerische Positionen beleuchten diese verborgenen Linien.

Performance »Wir Sind Fünf«

Samstag, den 16.11.2024, 14 Uhr

von Chryssa Tsampazi

Eintritt frei

Performer*innen: Konstantin Bez, Paolo Gallio, Francesca Locanto, Sylvia Schwarz, Loukas Sdrolias und Maya Vasila

Die Performance »Wir Sind Fünf« basiert auf dem Text »Gemeinschaft« vom Schriftsteller Franz Kafka:

»Wir sind fünf Freunde, wir sind einmal hintereinander aus einem Haus gekommen […] Seitdem leben wir zusammen, es wäre ein friedliches Leben, wenn sich nicht immerfort ein sechster einmischen würde […]. Er tut uns nichts […]. Wir kennen ihn nicht und wollen ihn nicht bei uns aufnehmen. Wir fünf haben zwar früher einander auch nicht gekannt, und wenn man will, kennen wir einander auch jetzt nicht, aber was bei uns fünf möglich ist und geduldet wird, ist bei jenem sechsten nicht möglich […]. Außerdem sind wir fünf und wir wollen nicht sechs sein. […] aber mögen wir ihn noch so sehr wegstoßen, er kommt wieder.«

(Franz Kafka – Gemeinschaft)

Die Gemeinschaft der fünf Freund*innen hat ein besonderes Verhältnis zu der sechsten Person. Sie entsteht erst durch die Abwehr ebendieser sechsten Person und schöpft daraus ihre Kraft. Wer sind die Fünf ohne die Sechste? Ist sie kein*e Freund*in? Ist sie ein Phantom? Die Arbeit beschäftigt sich mit der Wahrnehmung der Realität zwischen den »Fünf« und dem*der »Sechsten«.

Während der Performance sprechen die sechs Teilnehmenden Teile von Kafkas Text, wobei die Position und Bewegung der Körper als lebende Skulpturen weitere Ebenen hinzufügen. Die Personen bewegen sich dabei, bleiben stehen, sprechen einen Satz, schweigen teilweise und wechseln ihre Position. Sie wiederholen sich – mal nachdenklich, mal wütend. So wird die Gruppe langsam zu einem zeitversetzten Chor, der von fünf spricht, obwohl sechs anwesend sind.

Bio:
Chryssa Tsampazi (geb. 1975 in Deutschland, aufgewachsen in Nordgriechenland) studierte Schauspiel und Theater in Athen und schloss mit einem MFA am Art Institute of Chicago (SAIC) ab. Ihre künstlerische Arbeit untersucht die Performance von Sprache und die kollektive kreative Erfahrung. Die Körper der Künstlerin und der Teilnehmenden fungieren dabei sowohl als Subjekte als auch als Vermittlungsmechanismen der Werke.

Tsampazis Arbeiten und Performances wurden international gezeigt, u.a. in der Galerie im Turm; Sullivan Galleries, Chicago; IV. Moscow Biennial, Moskau; 4th Thessaloniki Biennale of Contemporary Art; Numismatic Museum, Athen; Kunstverein Tiergarten, Berlin; Alpha Nova/Galerie Futura, Berlin. 2022 erhielt sie das Recherchestipendium und die Projektförderung Bildende Kunst des Berliner Senats. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Performance »Do U Wanna Talk About It?«

Montag, den 25. November 2024, 16-19 Uhr und

Dienstag, den 8. November 2024, 16-18 Uhr

mit Camila Rhodi

Eintritt frei

Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch

Hinweis: Die Performance findet immer nur zwischen der Künstlerin und einer weiteren Person statt. Daher kann es zu Wartezeiten kommen. Es wird von 16 bis 19 Uhr mehrere Durchgänge der Performance geben.

Inhaltswarnung: Die Performance enthält Inhalte zu sexueller Gewalt. Diese können verstörend wirken und starke emotionale Reaktionen hervorrufen.

In dieser intimen Performance begegnet das Publikum der Künstlerin in einem abgeschiedenen Raum, in dem eine ganz persönliche Konfrontation stattfindet. Ein*e Zuschauer*in nimmt alleine gegenüber der Künstlerin Platz und tritt in einen direkten Dialog, in dem die Künstlerin ihre eigene Geschichte offenbart.

Die Performance gewährt einen Einblick in die autobiografischen Erfahrungen der Künstlerin, die offen und mutig über den sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit spricht. Die Begegnung ist sehr intim, nur für eine*n Zuschauer*in vorgesehen und dauert kurze, aber intensive vier Minuten.

»Do U Wanna Talk About It?« hinterfragt die Grenzen zwischen Performerin und Publikum und schafft einen Moment tiefer Verbundenheit und Reflexion über die Auswirkungen von Traumata.

Bio:
Camila Rhodi (geb. 1978, Rio de Janeiro, Brasilien) ist eine interdisziplinäre Künstlerin, deren Werk Theater, Video, Performance, Audio, Zeichnung und Installation umfasst. Sie studierte Bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien, realistische Zeichnung und Malerei an der Akademie der Schönen Künste Barcelona, Performance & Choreografie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Ästhetik an der UNIRIO in Rio de Janeiro sowie Schauspiel an der Escola Estadual de Teatro Martins Penna. In ihrer künstlerischen Praxis untersucht sie sexuelle Themen, die Komplexität von Identität sowie universelle Ideen wie Liebe, Begehren, Gewalt, Verlust und Trauer. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem auf der WRO Art and Media Biennale (Polen), der Manifesta (Russland), den Sophiensaelen und Hebbel am Ufer (Berlin), der Bienalsur und der FIDBA (Buenos Aires), der viennacontemporary und der OI Futuro (Rio de Janeiro). Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Die Performance »Do U Wanna Talk About It?« findet am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, statt. Der Bärenzwinger Berlin, normalerweise montags geschlossen, öffnet an diesem Tag bewusst seine Türen, um diesem wichtigen Thema Raum zu geben. Die Performance macht auf das Thema sexueller Missbrauch aufmerksam und gibt Betroffenen eine Stimme. Indem die Künstlerin ihre eigenen Erfahrungen teilt, wird die oft unsichtbare Realität sexueller Gewalt sichtbar gemacht und das Publikum zum Nachdenken über patriarchale gesellschaftliche Strukturen und die Dringlichkeit des Schutzes von Frauen und Mädchen vor Gewalt angeregt.

Internationaler Tag der Menschenrechte

Am 10. Dezember ist Internationaler Tag der Menschenrechte. In diesem Zusammenhang thematisiert Do U Wanna Talk About It? am Sonntag, den 8. Dezember die fundamentale Bedeutung von Schutz und Würde für alle Menschen. Die Performance erinnert daran, dass der Schutz vor Gewalt ein unveräußerliches Menschenrecht ist, und beleuchtet, wie essenziell es ist, dass traumatische Erlebnisse nicht verschwiegen, sondern aufgearbeitet und anerkannt werden. Sie fordert das Publikum auf, über die kollektive Verantwortung für die Wahrung der Menschenrechte nachzudenken und sich solidarisch für Betroffene einzusetzen.

Nachbarschaftstreffen: »Kaffee, Kuchen und Tabu«

Sonntag, 1. Dezember 2024, 14-16 Uhr

Eintritt frei

Der Bärenzwinger lädt alle Nachbar*innen und Interessierten zu einem Sonntagnachmittag mit Kaffee, Kuchen und gemeinsamen Tabu spielen. Unter dem Motto “Kaffee, Kuchen und …” öffnet der Bärenzwinger an einem Tag pro Ausstellung seine Türen für ein gemütliches Zusammenkommen der Nachbarschaft. Während wir Kaffee und selbstgebackenen Kuchen genießen, haben wir auch die Gelegenheit, uns zwanglos über Kunst und Kultur auszutauschen. Wir sind gespannt auf eure Perspektiven.

Dieses Nachbarschaftstreffen findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung “T4b00” statt. Es handelt sich um die vierte Ausstellung im Jahresprogramm 2024 Kanten und Knoten. Sechs künstlerische Positionen machen Tabus aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar und schaffen einen dialogischen Raum für Reflexion und Perspektivwechsel.

Wir laden euch ein, am Nachbarschaftssonntag zusammenzukommen, um an einer abgewandelten Version des Gesellschaftsspiels “Tabu” teilzunehmen. Schickt uns dazu gerne im Vorfeld Tabu-Begriffe, die wir in unser Spiel einfließen lassen! Gemeinsam erkunden wir auf spielerische Weise, was es bedeutet, sich sprachlichen und gesellschaftlichen Grenzen zu stellen.
 
Die Tabu-Begriffe können entweder per E-Mail an visit@baerenzwinger.berlin geschickt werden oder als DM über Instagram.

Herzlich
euer Team vom Bärenzwinger

Experimentelles Open-Air Kino: »Crow Cinema«

Samstag, 14.12.2024
16.15 Uhr

Eintritt frei

Ort: Märkisches Ufer

Bei leichtem Regen und Schnee wird es Pavilions geben, bei Unwetter wird der Film überdacht in der Galerie Bärenzwinger Berlin gezeigt.

Barrierefreiheit: Der dialog- und musikfreie Film funktioniert auch als Stummfilm und ist als „Relaxed Performance“ konzipiert

Das experimentelle Open-Air Kino »Crow Cinema« lädt Menschen und Vögel ein, neue Perspektiven auf nichtmenschliches Leben in der Stadt zu entdecken. Vor dem Hintergrund der Verstädterung und der Auswirkungen auf die Biodiversität wird der Fokus auf Krähen gelegt, die sich den urbanen Bedingungen erfolgreich anpassen. Tausende dieser Vögel versammeln sich jeden Winter am Alexanderplatz und fliegen bei Einbruch der Dunkelheit zu ihren Schlafplätzen an der Spree – ein saisonales Schauspiel, das die besondere Dynamik der urbanen Natur sichtbar macht.

In diesem Kontext präsentiert der Bärenzwinger den experimentellen Film »Neighbors: non-human city life« von Lilli Kuschel. In diesem über fünf Jahre dokumentierten Film geht Kuschel der Frage nach, wie Krähen und Menschen in Berlin miteinander interagieren und welchen Platz sie in der Stadt einnehmen. Das Screening findet am Märkischen Ufer statt, wo der Rhythmus der Krähen den Raum zwischen Ufer und Bärenzwinger saisonal in ein von Menschen und Vögeln geteiltes Gebiet verwandelt. Diese besondere Form der Cohabitation regt dazu an, die Frage zu stellen: Wer ist Teil der Stadt, wem gehört sie, und wie wird sie von unterschiedlichen Akteur*innen gestaltet?

Der Film stellt gängige Stereotype von Natur in Frage und unterläuft den traditionellen Gegensatz zwischen Natur und Kultur. Die Stadt wird dabei als heterotopes Biotop verstanden, in dem sich das Zusammenleben von Menschen und Tieren in neuen Formen manifestiert.

Im Anschluss an die Vorführung wird es ein Gespräch mit Lilli Kuschel und dem Biologen und Philosophen Cord Riechelmann geben, das urbane Ökologien und spekulative Visionen für ein solidarisches Miteinander von Menschen und Tieren in der Stadt thematisiert. Der Bärenzwinger – ein ehemaliges Bärengehege – und das angrenzende Märkische Ufer bilden dabei den idealen Ort für eine Reflexion über Cohabitation und das Verhältnis von Natur und Stadt.

Wir laden herzlich dazu ein, diese interdisziplinäre Perspektive auf städtisches Leben zu erleben und über die Rolle von Tieren als aktive Akteur*innen nachzudenken.

Bio:
Lilli Kuschel ist Künstlerin und Filmemacherin, sowie Dozentin und Researcher an der Universität der Künste Berlin. Sie arbeitet mit dokumentarischen Formen in zeitbasierten Medien, filmisch sowie installativ und forscht künstlerisch zu den Themen urbane Ökologien, Architektur, Cohabitation und Stadtnatur. Ihre experimentelle Filmreihe Neighbors: non-human city life untersucht das Leben und die Kultur von Krähen in Städten auf der ganzen Welt.

Bio:
Cord Riechelmann ist Biologe, Philosoph, Autor und Dozent an der Universität der Künste Berlin, wo er im Studium Generale lehrt. Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit umfasst unter anderem das soziale Verhalten von Primaten und die Geschichte der biologischen Forschung. Er schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, taz und Süddeutsche Zeitung. Als Buchautor hat er unter anderem das Werk Krähen (2013) veröffentlicht, das Teil der Reihe „Naturkunden“ ist, sowie den Roman Wilde Tiere in der Großstadt (2013). Seine Arbeiten befassen sich mit dem Zusammenleben von Mensch und Tier in urbanen Umwelten und philosophischen Fragen der Naturwahrnehmung​.

»T4b00«: Ausstellungsrundgang [in englischer Sprache]

Donnerstag, 16.1.2025
19 Uhr

Eintritt frei

Sprache: Englisch

Am 16. Januar laden wir Sie zu einem exklusiven Rundgang durch die Ausstellung »T4b00« im Bärenzwinger ein. Gemeinsam mit den Kuratorinnen Vanessa Göppner und Janine Pauleck erfahren Sie mehr über die vielschichtigen Themen der Ausstellung, die sich mit der Ambivalenz von Tabus und deren Einfluss auf individuelle und kollektive Identitäten beschäftigt. Die Ausstellung beleuchtet gesellschaftliche, kulturelle und persönliche Tabus und untersucht, wie diese in den sechs künstlerischen Positionen reflektiert und hinterfragt werden.

Der Rundgang bietet eine wertvolle Gelegenheit, tiefere Einblicke in die Werke zu gewinnen und die künstlerischen Ansätze im Kontext von Tabubrüchen sowie gesellschaftlichen Normen zu entdecken.

Mit Werken von Anna Banout, Sven Bergelt, Rupert Enticknap, Takashi Kunimoto, Peng Li, Camila Rhodi

und einer partizipativen Installation von R Stein Wexler

Workshop: »Taboo.Talks«

25.1 & 26.1.2025
jeweils 15-16 Uhr

mit Celica Fitz und Marita Günther

Eintritt frei

Sprache: Deutsch

Was ist ein Tabu? Wer legt fest, über was nicht gesprochen und was nicht getan werden darf? In den TABOO.TALKS fragen wir danach, wann ein Tabu etwas vertuscht, etwas eingegrenzt, oder wann es zu schützen versucht. Dabei lüften wir den Deckmantel des gesellschaftlich Zurückgewiesenen und schauen, welche unaussprechlichen oder unausgesprochenen Praktiken und welches geheime Wissen darunter verborgen werden.
Ein Tabu definiert nicht nur das Ausgeschlossene. Als Markierung einer Grenze und im immerwährenden Umgehen dieser Grenze – schreibt sich das Tabu auch in alltägliche Handlungspraktiken, das soziale Miteinander und Körper ein. Das Tabuisierte selbst ist meist nicht sichtbar, und es prägt doch sein normiertes Gegenbild. Wie schauen wir heute auf das Tabu und kann uns eine reflektierte Sicht auf dessen Struktur in der Theorie helfen, auch im Alltag Tabus zu erkennen?

Entlang der Frage nach dem Tabu adressiert das Format der TABOO.TALKS schwerpunktmäßig Praktiken der In- und Exklusion von Wissen sowie Normen und Geschlechterbilder in den beiden Veranstaltungen TABU + KÖRPER und TABU + WISSEN. Es werden gesellschaftliche Anerkennungs- und Ausgrenzungsprozesse thematisiert die sich in den Alltag einschreiben. Dabei zielt das Format darauf ab, aktuelle wissenschaftliche Theorien und Thesen zu vermitteln und mit den Gäst:innen zu diskutieren. Jeder TABOO.TALK verbindet einen inhalt-lichen Impuls mit einer dialogischen Führung zu ausgewählten künstlerischen Arbeiten.
Das Format richtet sich schwerpunktmäßig an Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene. Denn es adressiert – entlang der Ausstellungsthemen und künstlerischen Arbeiten – auch Sexualität sowie körperliche und psychische Gewalt.

TABOO.TALKS I: TABU + KÖRPER
Impuls und Dialog in der Ausstellung mit Marita Günther und Celica Fitz
Wie schreiben sich Tabus in unsere Körper ein? Wir erkunden anhand von ausgewählten Arbeiten der Ausstellung, wie sich Tabus verorten und verkörpern und dabei Bilder von Geschlecht, Gesellschaft und Zugänglichkeit prägen.

TABOO.TALKS II: TABU + WISSEN
Impuls und Dialog in der Ausstellung mit Marita Günther und Celica Fitz
Was dürfen wir wissen, was bleibt vor uns verborgen? Welche Geschichten erinnern wir nicht und welche Rolle spielt das Nicht-Wissen in Prozessen der Tabuisierung? Wir erkunden Erzählungen des Geheimen, Verschwiegenen und Unaussprechlichen in ausgewählten Arbeiten der Ausstellung.

Marita Günther
Für die TABOO-TALKS gibt Marita Einblicke in ihre Forschung, wie sich Tabus in gesellschaftlichen Genderbildern und Körperpraktiken einschreiben und zeigt Dynamiken zwischen Widerständigkeit und Normierung. Marita ist Gendertheoretikerin und Kultur- und Religionswissenschaftlerin. Sie ist Doktorandin und unterrichtet als Dozentin an der Universität Marburg, Hochschule Merseburg und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Kultur- und Religionswissenschaft sowie Sozialwissenschaft. Als freie Forscherin und Rednerin vermittelt sie aktuelle Theorien über Genderkonstruktionen anhand praktischer Beispiele in Gegenwartskulturen und Kunst.

Celica Fitz
In den TABOO.TALKS bringt Celica die Impulse um Anerkennungs- und Ausgrenzungsdynamiken dialogisch mit den Gäst:innen in die Ausstellung. Sie vermittelt kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Gegenwartskunst und konzipiert das Format. Celica ist Doktorandin der Museologie und Kunstgeschichte (Université de Neuchâtel) und Religionswissenschaft (Universität Marburg). Als freie Kuratorin und Forscherin entwickelt sie Formate kulturwissenschaftlich informierten Kuratierens von Gegenwartskunst für Kultur- und Kunstinstitutionen und Universitäten. Derzeit arbeitet sie an Sonderausstellungen und Outreach für das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt a. M., Ikonenmuseum Frankfurt und als Forscherin zu Künstlerinnen der Moderne an der Universität Marburg.

Slow-Finissage »T4b00«

22. Februar, 16-19 Uhr

Eintritt frei

Zum Abschluss der Ausstellung laden wir herzlich zu einer Slow-Finissage ein. In gemütlicher Atmosphäre gibt es kostenlosen Kaffee und Kuchen, begleitet von einem gemeinsamen Gesellschaftsspiel des ikonischen »Tabu«.

Die Veranstaltung bietet Raum für Austausch und Reflexion – musikalisch untermalt von einer sorgfältig kuratierten Playlist, die den Nachmittag abrundet.

Kommt vorbei, wir freuen uns auf euch!

Anna Banout

Anna Banout (geb. 1992) ist eine syrisch-polnische experimentelle Designerin und Künstlerin. Sie studierte Produktdesign, kreative Codierung und Korbflechterei an der Akademie der Schönen Künste Warschau. In ihren forschungsbasierten Arbeiten webt sie ein dichtes Geflecht aus Designprozessen und kulturellen Erzählungen. Ihr Ansatz reflektiert die komplexen Beziehungen zwischen Menschen und Objekten.

Sie gewann 2017 den ersten Preis bei der International Diploma Selection während der Designblok in Prag. Ihre Werke wurden im Centre Pompidou (Paris), im Radialsystem V (Berlin) und der Station Gallery (Beirut) gezeigt. 2020 präsentierte sie ihre Einzelausstellung „Fossils of the Future“ im Museum für Kunst und Gewerbe (Hamburg).

Sie war auch auf mehreren Designfestivals vertreten, wie den Gdynia Design Days, dem Łódź Design Festival, der Ambiente Frankfurt und der Maison&Objet Paris teil. Sie erhielt mehrere Stipendien, darunter das Adam-Mickiewicz-Institut und Feldfünf Berlin. Sie lebt und arbeitet in Pszów, Polen.

Sven Bergelt

Sven Bergelt (geb. in Leipzig, Deutschland) studierte an der Muthesius Kunsthochschule Kiel und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. In seiner künstlerischen Praxis bewegt er sich in den Bereichen Installation, Konzeptkunst und künstlerischer Forschung.

Seine recherchebasierten, ortsspezifischen Projekte setzen sich mit Räumen, Architektur und den darin verankerten sozialen und historischen Strukturen auseinander. Besonders interessieren ihn dabei Fragen nach einer zeitgemäßen Erinnerungskultur, die Transformation von Kommunikation durch digitale Technologien sowie politische und soziale Krisen.

Bergelts Werke wurden international ausgestellt, unter anderem in der HALLE 14 (Leipzig), im Kunstverein Ebersberg und am Nationaltheater Mannheim. Er ist Mitbegründer des Künstlerkollektivs Situation Room und lehrt seit 2013 am Institut für Theorie der HGB Leipzig. Er lebt und arbeitet in Leipzig.

Rupert Enticknap

Rupert Enticknap (geb. in UK) studierte am King’s College London, der Royal College of Music London und der UAL Central Saint Martins. In einer transdisziplinären Praxis, die sich zwischen Musik, Choreografie, Klangkunst und Installationen bewegt, beschäftigt sich Enticknap mit der performativen Erforschung des Körpers.

Mit einem Fokus auf die Stimme als Ausdrucksmittel erforscht Rupert Körper und Stimme als Orte sozialer und politischer Auseinandersetzung. Derzeit widmet Enticknap sich mit großem Interesse den Begriffen Versagen, Männlichkeit, dem Körper als Archiv und englischem Volkstanz.

Enticknap hat international performt, darunter in der Royal Opera House Covent Garden, der Bayerischen Staatsoper, der Berliner Staatsoper, und dem Theater an der Wien. Als Performer*in und Tänzer*in trat Enticknap u.a. in der Volksbühne Berlin, Sophiensaele Berlin und Nowy Teatr Warschau auf. Enticknaps jüngste Arbeiten wurden durch Fonds Daku, das Goethe-Institut und INM e.V. gefördert. Enticknap lebt und arbeitet in Berlin.

Takashi Kunimoto

Takashi Kunimoto (geb. in Japan) wuchs in Japan auf und studierte Sozialwissenschaften an der Hitotsubashi-Universität in Tokio. Nach dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima zog Kunimoto 2012 nach Deutschland und begann sein Studium der Freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Braunschweig.

Kunimotos künstlerische Praxis umfasst Installationen und Filme, die in Deutschland und Japan gezeigt wurden, unter anderem bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, dem European Media Art Festival und dem Image Forum Festival.

Sein Film „Robert“ wurde beim dokKA-Festival 11 (2024) mit dem Förderpreis der Stadt Karlsruhe ausgezeichnet. Kunimoto lebt und arbeitet in Braunschweig.

Peng Li

Peng Li (geb. 1986, Hunan, China) studierte Bildende Kunst, Malerei und Grafik an der South China University of Technology und an der Akademie der Bildenden Künste München. Er arbeitet mit ständig erweiterten Medien.

Im Laufe der Jahre prägt sein tiefes Interesse an Materialien, dem Entstehungsprozess von Werken und der Gesellschaft jeden Aspekt seiner künstlerischen Praxis. Seine Arbeiten vereinen persönliche Erinnerungen sowie kollektive Erinnerungen und Traumata aus der Vergangenheit und der Gegenwart.

Seine Arbeiten werden international ausgestellt, wie etwa im Lenbach Palais (München), Canal Street Research Assocition New York City (NY, USA) und Haus am Lützowplatz (Berlin). Er lebt und arbeitet in München.

Camila Rhodi

Camila Rhodi (geb. 1978, Rio de Janeiro, Brasilien) ist eine interdisziplinäre Künstlerin, deren Werk Theater, Video, Performance, Audio, Zeichnung und Installation umfasst. Sie studierte Bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien, realistische Zeichnung und Malerei an der Akademie der Schönen Künste Barcelona,

Performance & Choreografie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Ästhetik an der UNIRIO in Rio de Janeiro sowie Schauspiel an der Escola Estadual de Teatro Martins Penna. In ihrer künstlerischen Praxis untersucht sie sexuelle Themen, die Komplexität von Identität sowie universelle Ideen wie Liebe, Begehren, Gewalt, Verlust und Trauer.

Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem auf der WRO Art and Media Biennale (Polen), der Manifesta (Russland), den Sophiensaelen und Hebbel am Ufer (Berlin), der Bienalsur und der FIDBA (Buenos Aires), der viennacontemporary und der OI Futuro (Rio de Janeiro). Sie lebt und arbeitet in Berlin.

By Way of Water

mit
Mirja Busch
Thesea Rigou Efstathopoulos
Anton Filatov
Sanne Vaassen
Claire Waffel
U8 Kollektiv (Laurence Ermacova und Neïtah Janzing) mit Rabab Haidar

Grafik: Viktor Schmidt/Nora Keilig

Ausstellung

2.8 – 13.10.2024

Kuratiert von Annika Reketat und Cleo Wächter

»By Way of Water« ist der dritte Teil des
Jahresprogramms KANTEN UND KNOTEN

Eröffnung

1.8.2024 ab 18:00 Uhr
19:30 Uhr Performance von Singen3000

Eintritt frei

Am Donnerstag, den 01. August 2024 um 18 Uhr lädt der Bärenzwinger Berlin zur Eröffnung der Ausstellung „By Way of Water“ („Auf dem Wege des Wassers“) ein. Die Ausstellung erforscht, wie das Element Wasser als soziales, politisches und künstlerisches Medium urbane Räume prägt und verändert.

Die sechs künstlerischen Positionen der Ausstellung nutzen hydro-kartografische und hydro-feministische Perspektiven, um die Beziehung zwischen Mensch und Natur-Kultur im urbanen Raum zu reflektieren. Inspiriert von sogenannten Konfluenzen – jenen Stellen, an denen zwei Gewässer zusammenströmen – verflüssigen die Kunstwerke sinnbildlich starre Trennlinien und Kategorisierungen von Sprache und Text in diesem Prozess.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Rahmenprogramm mit Künstler*innengesprächen, Ausstellungsführungen, Veranstaltungen am Tag des Flusses (29.09.2024) sowie verschiedenen Vermittlungsangeboten.

Mit künstlerischen Beiträgen von Mirja Busch, Thesea Rigou Efstathopoulos, Anton Filatov, Sanne Vaassen, Claire Waffel und dem U8 Kollektiv (Laurence Ermacova und Neïtah Janzing) mit Rabab Haidar.

Water Histories

3.8.2024 16 Uhr

Artist Talk

In Englisch

Eintritt frei

Die Künstlerin Sanne Vaassen und Alejandra Villa, Doktorandin im Bereich Ökohydrologie am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), treten in einen Dialog über das, was sie eint: eine Faszination für die Ursprünge und Transformationen von Wasserlandschaften. Gemeinsam werden sie die Grenzen zwischen ihren Disziplinen verflüssigen und ihre Perspektiven auf die Beziehung zwischen Menschen und Wasser teilen. Ausgangspunkt für den Dialog ist Sannes Installation Shaped by Water, die als dreidimensionale, gläserne Geo-Chronologie dieser Beziehung im Lichthof des Bärenzwingers zu sehen ist.

Die Künstlerin Sanne Vaassen erforscht die fließenden Übergänge von Materie und Phänomenen, wobei sie sich auf den Wasserkreislauf, die jahreszeitlichen Veränderungen der Bäume und die Evolution der Sprache konzentriert. Zentrale Themen in ihren Arbeiten sind Zeit und Wandel, die sich mit Ökologie, Geographie, Geschichte und Anthropologie überschneiden. Ihre Werke wurden im Bonnefantenmuseum (Maastricht), bei SALTS (Basel), in der Unit 1 Gallery (London) und im 601Artspace (New York) ausgestellt. Sie war 2014-2015 Stipendiatin an der Jan Van Eyck Akademie.

Alejandra Villa ist Doktorandin im zweiten Jahr am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Im Fachbereich Ökohydrologie und Biogeochemie untersucht sie organische Schadstoffe in der hyporheischen Zone, der Grenze zwischen Fluss und Grundwasser. Ihr Interesse an Wasserfragen begann in Kolumbien, wo sie einen Bachelor in Geologischer Ingenieurwissenschaft erwarb. Sie verfolgte die Hydrogeologie durch ihre Arbeit in einem Wasserwirtschaftsunternehmen und an akademischen Institutionen in ganz Europa.

Eintauchen – ein Ausstellungsdialog

23.8.2024 17 Uhr

Eintauchen – ein Ausstellungsdialog

Eintritt frei

Ein Ausstellungsdialog zwischen den anwesenden Menschen und Organismen, den Kurator*innen und den teilnehmenden Künstler*innen. Dieses dialogische Format wurde von Thesea Rigou als Erweiterung ihrer künstlerischen Praxis initiiert. Es nimmt ihre ortsspezifische Installation stay with the trouble II als Ausgangspunkt, um Formen des Zusammenflusses in den Beziehungen zwischen Natur und Kultur zu diskutieren.

Anwesende Künstler*innen: Thesea Rigou und Claire Waffel

In deutscher Sprache

Plunging in – an exhibition dialogue

13.9.2024 17:30 Uhr

Plunging in – an exhibition dialogue [in English]

Free Entry

An exhibition dialogue between the people and organisms present, the curators, and the participating artists. This dialogical format has been initiated by Thesea Rigou as an extension of their artistic practice. It takes the site-specific installation stay with the trouble II as a starting point to discuss forms of confluence in nature-culture relations.

Artists present: Thesea Rigou, Laurence Barbasetti (U8 Kollektiv), Rabab Haidar

In English

Nachbarschaftstreffen

22.09.2024

14:00-16:00 Uhr

»Kaffee, Kuchen, Wasserfarben«

Der Bärenzwinger lädt alle Nachbar*innen und Interessierten zu einem Sonntagnachmittag mit Kaffee, Kuchen und gemeinsamen Kreativsein mit Wasserfarben ein. Unter dem Motto “Kaffee, Kuchen und …” öffnet der Bärenzwinger an einem Tag pro Ausstellung seine Türen für ein gemütliches Zusammenkommen der Nachbarschaft. Während wir Kaffee und selbstgebackenen Kuchen genießen, haben wir auch die Gelegenheit, uns zwanglos über Kunst und Kultur auszutauschen. Wir sind gespannt auf eure Perspektiven.

Dieses Nachbarschaftstreffen findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung “By Way of Water” (“Auf dem Wege des Wassers”) statt. Es handelt sich um die dritte Ausstellung im Jahresprogramm 2024 Kanten und Knoten. Sechs künstlerische Positionen reflektieren darin die Beziehungen zwischen Mensch und Wasser in der Stadt. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Phänomen der Konfluenzen – jenen Stellen, an denen zwei Gewässer zusammenströmen. Die Ausstellung versucht, den Bärenzwinger selbst mit seinen einst wassergefüllten Gräben zu einem Ort der Verbindung zu machen. 

Wir laden euch ein, am Nachbarschaftssonntag zusammenzukommen, um gemeinsam Postkarten mit Wasserfarben zu gestalten und sie als Gruß aus dem Bärenzwinger an Freund*innen oder Familie zu verschicken. Ob Erinnerungen an den Sommer oder Wünsche für die Zukunft – wir sind gespannt, welche Botschaften eure Postkarten über die Gräben des Bärenzwingers hinaus in die Welt tragen.

Herzlich

euer Team vom Bärenzwinger

»Day on and along the River«

29.09.2024, 13:00 – 19:30 Uhr

Eintritt frei


Start: Bärenzwinger Berlin, Rungestr. 30, 10179 Berlin


Ende: Flussbad-Garten am Spreekanal, Sperlingsgasse 1, 10178 Berlin

Am Sonntag, den 29. September 2024 lädt der Bärenzwinger im Rahmen der aktuellen Ausstellung »By Way of Water« zum »Day on and along the River« ein. Die Veranstaltung widmet sich den vielfältigen Beziehungen der Stadt Berlin und ihrer Bewohner*innen zur Spree. Im Mittelpunkt stehen der persönliche Bezug zum Fluss, der aktuelle Zustand der Berliner Gewässer, die Politik rund ums Wasser und die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels.

Das Programm bietet verschiedene Formate, um die Spree aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben und zu reflektieren. Ein Workshop zu spreespezifischen Erinnerungen,

ein poetischer Spaziergang entlang der Spree und ein Screening laden dazu ein, neue Einblicke in die Beziehung zwischen Mensch und Wasser (nicht nur) im urbanen Raum zu gewinnen. 

Programm:

  • 13:00 Uhr: Workshop „Wasserwege der Erinnerung“ mit Om Bori (Künstlerin und Forscherin)
  • 15:00 Uhr: Einführung in die Ausstellung durch Annika Reketat und Cleo Wächter (Kuratorinnen) 
  • 16:00 Uhr: RIPPLES – Spaziergang entlang der Spree mit Clementine Butler/Gallie (ReRouting) und Viviane Tabach (Co-Making Matters)
  • 18:30 Uhr: I Cannot see the future from here – von Claire Waffel (Künstlerin und Forscherin)

Programmdetails zum Tag des Flusses

13:00 Uhr
»Wasserwege der Erinnerung«
Workshop – Om Bori

Der von Om Bori geleitete Workshop lädt die Teilnehmenden dazu ein, sich mit ihren persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen rund um die Spree und ihre zahlreichen Kanäle in Berlin auseinanderzusetzen. Im Fokus steht die kreative Auseinandersetzung mit diesem weitverzweigten Flusssystem, das sowohl die städtische als auch die natürliche Umgebung prägt. Die Teilnehmenden lernen dabei die Technik von Om Boris wassergefüllten Objekten kennen und gestalten eigene Kunstwerke, die mit Spreewasser gefüllt werden

Im Rahmen des Workshops erhalten die Teilnehmenden Zeit für Schreiben und Reflexion, um ihre individuellen Erlebnisse in Texte und Zeichnungen zu verwandeln. Dabei werden die Erinnerungen bewusst fragmentiert, da unsere Erinnerung selbst oft bruchstückhaft funktioniert: Wir erinnern uns nur an Teile einer Geschichte, die wir über die Zeit verändern und ergänzen. Diese Erinnerungsfragmente werden zu einer visuellen Komposition zusammengefügt, die den persönlichen Bezug der Teilnehmenden zur dem Gewässer widerspiegelt.

Durch das Befüllen der Objekte mit Wasser der Spree entsteht eine unmittelbare Verbindung zwischen den Geschichten der Teilnehmenden und dem Fluss. Zum Abschluss werden die Werke als „Zeitkapseln“ versiegelt, um sowohl die Erinnerungen als auch den gegenwärtigen Zustand der Spree für die Zukunft zu bewahren – ein Fluss, dessen Wasserqualität an vielen Stellen als kritisch belastet gilt und die Herausforderungen und Bedingungen unserer Zeit widerspiegelt. 

  • Die Teilnehmenden können ihre eigenen persönlichen Erinnerungsstücke (kleine Gegenstände, Fotos, Texte usw.) mit Bezug zur Spree mitbringen.
  • Anmeldung erwünscht, aber nicht erforderlich: visit@baerenzwinger.berlin Workshopsprache ist Deutsch, bei Bedarf wird übersetzt. 
  • Ort: Bärenzwinger, Rungestraße 30, 10179 Berlin (u2 Märkisches Museum, U8 Heinrich Heirne Straße)

Bio:

Om Bori ist eine in Berlin geborene Künstlerin, die in ihrer Heimatstadt lebt und arbeitet. Sie schloss ihr Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste Berlin mit Auszeichnung ab und erwarb zudem einen Abschluss in Intermedia Art an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste in Budapest, wo sie derzeit ein PhD in Practice zum Thema „Familie, Fluss, Archiv: Die Materialisierung von Erinnerung“ verfolgt. In ihrer PhD-Forschung untersucht sie die Verbindungen zwischen Wasser und Orten einerseits und Familiengeschichte sowie deren materielle und immaterielle Archive andererseits.

Ihre interdisziplinäre Praxis thematisiert die globale Wasserkrise, indem sie kritische humanistische Forschung, eco-feministische Theorie und Kunst miteinander verbindet. Bori erforscht die kulturellen und symbolischen Verbindungen zwischen Weiblichkeit und Wasser. Durch die Linse des Hydrofeminismus schafft sie multimediale Projekte, die alternative Narrative von Widerstandsfähigkeit und ökologischer Fürsorge bieten und dazu anregen sollen, einen ethischeren Umgang mit der Umwelt zu pflegen. Konzeptionell bewegt sich ihre Arbeit an der Schnittstelle von Erzählung, bewegtem und unbewegtem Bild und untersucht, wie soziale und historische Kräfte das individuelle und kollektive Leben prägen und wie Menschen gegen diese strukturelle Bestimmung aufbegehren—sei es durch Arbeit, Hoffnung, Liebe, Migration oder Wahnsinn.

16:00
RIPPLES: Ein Gruppenspaziergang entlang der Spree

Mit Clementine Butler-Gallie (ReRouting) und Viviane Tabach (Co-Making Matters)

RIPPLES wird ein gemeinsamer Spaziergang entlang der Spree sein, der am Bärenzwinger beginnt und am Flussbad Garten ankommt. Die Teilnehmer werden eingeladen, sich gemeinsam zu den Rhythmen des Wassers zu bewegen und Geschichten über Wasserwege von nah und fern zu teilen. Die Spree wird zum Katalysator für uns, um Verbindungen zu Wasserquellen zu knüpfen, die Kultur, Kunst, Musik, Geschichte und mehr geprägt haben, und darüber nachzudenken, wie sie Erinnerung und Vorstellungskraft beeinflussen

Jede Etappe der Reise folgt einem anderen Rhythmus, der uns durch die wechselnden Strömungen der Gedanken und Bewegungen führt. Gemeinsam erforschen wir die Schnittpunkte persönlicher und kollektiver Geschichten, wo das Lokale auf das Ferne trifft und wir uns auf eine gemeinsame Reise am Flussufer begeben.

Bio

Der Spaziergang ist eine Zusammenarbeit zwischen Clementine Butler-Gallie von ReRouting, einer kuratorischen Initiative, die das Gehen als Raum für Austausch und Begegnung erforscht,

 

und Viviane Tabach von Co-Making Matters, einer multidisziplinären Plattform im Haus der Statistik. Seit 2023 arbeiten sie gemeinsam an einer Reihe von Wanderresidenzen und sind beide Teil der nGbK-Arbeitsgruppe für das Projekt „Dissident Paths“, das 2025 startet.

  • Hauptsprache des Spaziergang ist Englisch
  • Der Spaziergang startet statt im Bärenzwinger

18:30 Uhr
»I Cannot See the Future from Here« Vortrag von
Claire Waffel

Die Künstlerin Claire Waffel wird in ihrem Vortrag im Flussbad Garten Berlin im Rahmen des Tages am und entlang des Flusses ihre aktuelle Arbeit über zwei Küstengemeinden vorstellen, und wie diese in Zukunft vom steigenden Meeresspiegelanstieg betroffen sein könnten. Das Dorf Fairbourne in Wales, sollte in einigen Jahren dem Meer weichen, da es nicht mehr ausreichend gegen den steigenden Meeresspiegel verteidigt werden könnte.

Als Teil ihrer räumlichen Praxis arbeitet Claire Waffel mit den Medien Fotografie, Video und Installation. Sie lenkt den Blick auf die Küstenschutzbauwerke des Dorfes Mönkebude am Binnenmeer des Stettiner Haffs, um zukünftige Transformationsprozesse an der sich verändernden Grenze zwischen Wasser und Land vorstellbar zu machen. Indem sie unterschiedliche Vorgehensweisen in einer visuellen Sprache zusammenführt, zeigt sie in ihrer künstlerischen Arbeit Zusammenhänge zwischen Ort, Bewohner:innen, Klimawandel und Futures auf.

 

  • Die Präsentation wird in englischer Sprache gehalten.
  • Die Präsentation findet statt im Flussbad-Garten am Spree-Kanal, Sperlingsgasse 1, 10178 Berlin

Sanne Vaassen

Sanne Vaassen (Heerlen, 1991) erforscht in ihrer künstlerischen Praxis den fließenden Übergang von Materie und natürlichen Phänomenen, wie den Kreislauf des Wassers, die Verwandlung von Bäumen im Laufe der Jahreszeiten und die Entwicklung der Sprache.

Zentrale Themen in ihren vielfältigen Arbeiten sind daher die Zeit und Prozesse der Veränderung. Vaassens Werk bildet dabei eine Schnittstelle zu anderen Disziplinen wie Ökologie, Geografie, Geschichte und Anthropologie.

Ihre Arbeiten wurden bereits in mehreren Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland gezeigt, darunter im Bonnefantenmuseum (Maastricht), SALTS (Basel), Unit 1 Gallery (London) und 601Artspace (New York). Außerdem war sie 2014-2015 Stipendiatin an der Jan Van Eyck Academy.

Claire Waffel

Claire Waffel ist bildende Künstlerin und lebt in Berlin. Sie studierte Fotografie am London College of Communication und wurde für ihre Arbeit mit dem Sproxton Preis ausgezeichnet. Aktuell promoviert sie mit dem Schwerpunkt Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar. In ihrer künstlerischen Praxis setzt sie sich mit dem Meeresspiegelanstieg und davon betroffenen Küstengemeinden auseinander.

Sie nutzt die Medien Video, Fotografie, Installation und Erzählungen um Zusammenhänge zwischen Ort, Bewohner:innen und Klimawandel aufzuzeigen. Auf diese Weise erkundet sie Zugänge zu verräumlichten Phänomen des Klimawandels an der wandelnden Grenze zwischen Wasser und Land und versucht durch partizipative Erzählungen optimistische und ortsbezogene Zukunftsnarrative zu schaffen.

Ihre Arbeiten stellte sie unter anderem im Maxim Gorki Theater (Berlin), im Kunsthaus Dresden, im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien (Berlin), im Wilhelm Wagenfeld Haus (Bremen) sowie im MWW Wroclaw Contemporary Museum (Breslau) aus. Sie wurde auf Künstler:innen-Residenzen des Goethe-Instituts nach Prag, Košice und Jerusalem eingeladen.

Mirja Busch

Mirja Buschs künstlerischer Forschungsschwerpunkt liegt in der Ontologie und Wahrnehmung von Pfützen als anthropogenes Hintergrundereignis in der Stadtlandschaft.

Seit mehr als 10 Jahren experimentiert sie mit verschiedenen Methoden der Archivierung von Pfützen sowie mit Formen ihrer Sichtbarmachung und Interaktion, wie z.B. künstlerischen Spaziergängen, Klassifikation oder durch Sprache.

Thesea Rigou

Thesea Rigou Efstathopoulos (*1997, Limassol) ist eine Künstler*in und Gärtner*in aus Pankow.

Thesea ist Absolvent*in der  Weißensee-Kunsthochschule Berlin und arbeitet derzeit in mehreren Institutionen Berlins als Kunstvermittler*in.

Theseas künstlerische Praxis erforscht sozio-ökologische Themen in Installationen, Performances, Kunstbüchern sowie Druckgrafik.

Anton Filatov

Anton Filatov stammt aus Karelia, Russland, und ist Medienkünstler und Musiker mit über einem Jahrzehnt Erfahrung. Er hat mehrere Musikprojekte veröffentlicht und unter verschiedenen Pseudonymen wie 0g, Anton Filatov und Wind in Willows live aufgeführt. Seine Musik und Kunstwerke wurden in Veranstaltungsorten von Baku bis Berlin präsentiert und weisen eine besondere Verbindung zur finnischen Avantgarde- und Ambient-Szene auf.

Seine Begeisterung für zeitgenössische experimentelle Musik führte ihn nach Berlin, wo er seit 2017 lebt. Während dieser Zeit hat er mit lokalen Kunstkollektiven an der Synthese von Klang und visuellen Elementen gearbeitet, darunter Lacuna Lab, Noiseberg und Automaton.

Zudem war er an der Lichtgestaltung für Medieninstallationen und Performances beteiligt, bei denen Künstler wie Theresa Baumgartner, Chris Watson, Tony Myatt, Matt Lambert und Michèle Lamy mitwirkten. Derzeit erstrecken sich Filatovs kreative Arbeiten über digitale, physische und orale Medien und erforschen audiovisuellen Experimente, die sich intensiv mit physischen Räumen auseinandersetzen.

U8 Kollektiv mit Rabab Haidar

U8 Kollektiv

Das U8 Kollektiv ist ein in Berlin ansässiges Poesie-Kollektiv, das im Dezember 2021 von den Lyrikerinnen Laurence Ermacova und Neïtah Janzing gegründet wurde.

In Anlehnung an die U-Bahn-Linie U8, die Berlin von Norden nach Süden durchquert und durchmischt, möchte das Kollektiv durch öffentliche Aktionen in Dialog mit der Stadt treten, in der Überzeugung, dass Poesie die Kraft hat, Orte zu verändern.

Laurence Ermacova

Laurence Ermacova verfasst Poesie auf Französisch und Deutsch. In ihrem literarischen Schaffen durchstreift sie die Grenzlinie, die sich zwischen den Sprachen zieht, schlägt Breschen, um die Worte der einen in die der anderen gleiten zu lassen, und übt sich somit diskret in der Kunst des Schmuggelns.

Ihre Texte wurden in Literaturzeitschriften, u. a. Stadtsprachen, Manuskripte, Revue Fragile und Revue Konfluence veröffentlicht. 2021 erhält sie das Recherchestipendium nicht deutschsprachiger Literatur des Berliner Senats. Im November 2023 war sie Gast des House for Writers and Translators in Ventspils, Latvia. Im April 2024 erschien ihr erstes Gedichtband “États de mes lieux – gesammelte gedichte” in Éditions du Bunker, Paris.

Sie engagiert sie sich im Netzwerk französischsprachiger Autorinnen in Berlin und ist Mitglied des Künstler*innenkollektivs Literatur für das, was passiert. Mit der Lyrikerin Neïtah Janzing gründet sie 2021 das U8 Kollektiv, um poetische Aktionen im öffentlichen Raum zu organisieren.

Rabab Haidar

Die syrische Autorin und Übersetzerin Rabab Haidar schreibt auf Englisch und Arabisch. Ihre Texte, Geschichten und Prosa erzählen von der Welt in Zeiten der Ungewissheit, des Verlusts und der Angst und erforschen die Stärke, die in der Zerbrechlichkeit liegt.

Ihre Werke wurden in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften in Europa und der arabischen Welt veröffentlicht.

Im Jahr 2019 erhielt sie das Heinrich-Böll-Stipendium für Schriftsteller, siedelte nach Deutschland über und lebt derzeit in Berlin.

Mit Moos Geht’s Los!

Workshop-Reihe mit der Künstlerin Gudrun Ingratubun im Garten des Bärenzwingers Berlin

Kunst & Natur, für Jung & Alt von Nah & Fern

Erkunde die Pflanzenwelt im Bärenzwinger und trete in einen künstlerischen Dialog mit der Natur.

In diesem Jahr beschäftigt sich der Bärenzwinger unter dem Jahresmotto “Kanten und Knoten” mit der Bedeutung von Linien: Wo trennen sie Dinge und wo verbinden sie? Der Garten des Bärenzwingers ist ein Ort, an dem Linien eine wichtige Rolle spielen. Was ist hier Natur, was Denkmal, was Kunst? Gibt es eine Grenze dazwischen? Welche Linien verbinden mich mit dem Bärenzwinger? Das sind einige der Fragen, denen wir in dieser Workshopreihe mit kreativen und gärtnerischen Methoden nachgehen möchten. 

Was passiert in den Workshops?

Wir begeben uns auf Entdeckungsreise zu unterschiedlichen Pflanzen, die auf dem Beton wachsen, dort, wo früher der Bär zu seinem Kratzbaum ging. Auf der dünnen Erdschicht und in den Ritzen wachsen mehr Arten, als man es für möglich halten würde. Und auch immer wieder Moos. Die vermeintlich “primitivste” Pflanze, das Moos, weist eine erstaunliche Formenvielfalt auf und steht mit Beton und Ziegeln im Austausch. Das wollen wir wahrnehmen und dokumentieren.

Können wir dem Garten noch etwas Gutes tun? Ihn pflegen, seine Wachstumsbedingungen für den Klimawandel günstiger gestalten und vielleicht behutsame Gestaltungsimpulse geben?

Dazu schreiben wir unsere Ideen auf Graspapier, machen uns Gedanken zur jeweiligen Ausstellung und üben uns in verschiedenen künstlerischen Techniken wie zum Beispiel Ecoprint oder malen mit selbst hergestellter Farbe aus Holunderbeeren. Je nach Jahreszeit finden wir im Garten auch Pflanzen, aus denen wir ein Getränk oder eine Speise zubereiten können.

Termine:

20.7.24

24.8.24

21.9.24

12.10

Jeweils von 13-17 Uhr

Der Eintritt ist frei

Anmeldung ist erwünscht, aber nicht erforderlich:

visit@baerenzwinger.berlin

Workshop 1: „Aus der Moosperspektive“

Samstag 20.7.24

13-17 Uhr

Im ersten Workshop betrachten wir den Bärenzwinger „aus der Moosperspektive“: Wir nehmen das Moos und andere Pflanzen am Gebäude, auf dem Betonboden und im Wassergraben unter die Lupe. Unseren neuen Blick auf den Bärenzwinger halten wir fest,

indem wir die Pflanzen auf Graspapier zeichnen und mittels Frottage kartieren. So führen wir einen künstlerischen Dialog darüber, wie der Bärenzwinger auf uns wirkt, was uns mit ihm verbindet und welche

Erinnerungen er weckt. Gemeinsam blicken wir aber auch in die Zukunft: Wir entwickeln Ideen, wie wir die Pflanzen angesichts des Klimawandels unterstützen und eigene Impulse in diesem besonderen Garten setzen können.

Nie wieder und jetzt

mit
Laura Fiorio
Jakob Ganslmeier

Grafik: Viktor Schmidt/Nora Keilig


Ausstellung

9.5 – 21.7.2024

Kuratiert von Julius Kaftan und Lina Kröger

»Nie wieder und jetzt« ist der zweite Teil des
Jahresprogramms KANTEN UND KNOTEN

Die Ausstellung „Nie wieder und jetzt“ setzt sich mit Rechtsextremismus auseinander. Sie fragt nach dem historischen Vermächtnis und der sozialen wie politischen Aktualität rechtsextremen Gedankenguts, der Verbreitung nationalsozialistischer und neonazistischer Symbole und Ideologien und dem Umgang mit dem schwierigen Erbe des Nationalsozialismus in den Familiengedächtnissen der deutschen Bevölkerung.

Und sie zeigt zugleich einen Möglichkeitsraum der Vergangenheitsbewältigung auf: Die Ausstellung versteht sich als Versuch, Reflexionsprozesse zu initiieren, in der durch die Thematisierung individueller und kollektiver Erinnerungen eine Standortbestimmung und Selbstkritik ermöglicht wird.

Ausgangspunkt der Ausstellung bildet daher eine Standortbestimmung des Ausstellungsortes. Vor seiner heutigen Nutzung als kommunale Kunstgalerie war der Bärenzwinger ein, wie der Name verrät, Bärengehege zum Amüsement der Berliner*innen – mit einer mehr als allein tierethisch problematischen Geschichte: Der Bärenzwinger wurde am 17. August 1939, zwei Wochen vor dem Überfall der Wehrmacht auf Polen, in Anwesenheit des Berliner Bürgermeisters und Nationalsozialisten Julius Lippert und „zahlreiche[r] führende[r] Männer von Staat und Partei“, wie es in der Berliner Morgenpost am Folgetag hieß, eröffnet. Der Impuls zum Bau eines Bärenzwingers ging auf die Anregung der Stadtgesellschaft zurück. Ein wichtiger Fürsprecher war Wilfried Bade. Bade war Mitarbeiter und ab 1940 Ministerialrat im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter der Leitung von Joseph Goebbels und auch mit diesem bekannt. Er hatte am 23. August 1937 einen Aufruf in der B.Z. am Mittag veröffentlicht, in dem er die Notwendigkeit eines lebendigen Symbols im Herzen der Stadt bekräftigte. Lippert nahm diese Anregung wohlwollend auf und veranlasste den Bau eines Zwingers. In den Tagen vor dessen Eröffnung erschienen täglich Artikel in der B.Z. am Mittag und anderen Berliner Tageszeitungen. Ein Artikel vom 9. August 1939 von Ludwig Heck, zoologischer Leiter des Berliner Zoos sowie Rassentheoretiker und Nationalsozialist, erklärte den Leser*innen, der Bär sei stärker als ein Löwe, unberechenbar, eigensinnig und sehr geschickt. Eine Erklärung, die zweifelsohne als Selbstsymbolisierung verstanden werden durfte und auch in die politischen Agitationen und rhetorischen Aufrüstungen des NS-Regimes kurz vor Kriegsbeginn passte. Dem Bärenzwinger als Gebäude ist also dezidiert eine nationalsozialistische Vergangenheit eingeschrieben.

Jakob Ganslmeier präsentiert zwei Arbeiten. Bei der ersten Arbeit, „Haut, Stein“, handelt es sich um die fotografische Gegenüberstellung des Verbleibens, Verwendens und Verwischens einschlägiger nationalsozialistischer bzw. neonazistischer Symbole aus zwei Perspektiven: Die Farbfotos („Haut“) im Lichthof des Bärenzwingers, die in Zusammenarbeit mit EXIT-Deutschland entstanden sind, zeigen Porträts von ehemaligen Neonazis, die im Prozess des Ausstiegs aus der rechtsextremen Szene auch die symbolischen, oft verbotenen Inskriptionen in ihrer Haut, ihre Tattoos entfernen oder überstechen lassen. Hakenkreuze, SS-Totenköpfe, Schwarze Sonnen und ähnliches sind teils noch blass zu erkennen. Die Tattoos gehören zu Körpern ehemaliger Kameradschaftsführer, Mitglieder der Partei NPD, der Neonazi-Untergruppierung „Hammerskins“ oder der „Autonomen Nationalisten“. Doch die Maßnahmen zur Entfernung und das Übertätowieren dauern Zeit und erzeugen mehr als allein physischen Schmerz. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und die Endgültigkeit des Ausstiegs haben tiefgreifende Brüche in den individuellen Lebensrealitäten zur Folge. Diese Brüche gehen oft auch mit sozialen Zäsuren einher. Denn es ist nicht selten das soziale Umfeld, das das Ferment der Radikalisierung bildet oder diese begünstigt. Ein Ausstieg aus der rechtsradikalen Szene führt daher immer auch zum entschiedenen Abbruch freundschaftlicher und/ oder familiärer Beziehungen. Die Initiative EXIT-Deutschland unterstützt Menschen beim Ausstieg aus der rechtsextremen Szene und bei der Entwicklung neuer Perspektiven. In diesem Sinne zeugen die Porträts von der Möglichkeit, durch die Selbstkritik und die Problematisierung identitätsstiftender Handlungs- und Denkgewohnheiten einen Wandel zu ermöglichen. Die Nacktheit und Nähe der Porträtierten provozieren dabei zugleich eine Unmittelbarkeit, in der auch die absolute Grenze zwischen Betrachter*in und Dargestelltem unterlaufen wird. Die Schwarzweißfotos („Stein“) im Graben – die zweite Perspektive – zeigen historische NS-Symbole, die an zahlreichen Orten im öffentlichen Raum fragmentarisch sichtbar geblieben sind: in und an der Architektur. Ganslmeiers Bilder enthüllen diese Fragmente und untersuchen ihren weiteren räumlichen Zusammenhang. Doch die heutige Nutzung der Orte bleibt gegenüber der Symbolik und ihrem Ursprung oft gleichgültig. Und es ist nicht zuletzt diese Gleichgültigkeit, die die Existenz nationalsozialistischer Symbole im öffentlichen Raum normalisiert. „Stein“ bildet somit das Kontrastprogramm zu „Haut“, da die abgebildeten Architekturdetails für eine stille Kontinuität, ein Reflexionsdefizit stehen – eine Kontinuität wiederum, die in „Haut“ gebrochen wird.

Ganslmeiers zweite Arbeit, im mittleren Zwinger, die er in Zusammenarbeit mit Ana Zibelnik konzipiert und entwickelt hat, ist eine Zweikanal-Videoinstallation, in der historisches („Strong is beautiful“) mit zeitgenössischem Videomaterial („War Room“) in einen Dialog gebracht wird. Der Titel „Public Enlightenment“ (engl. Volksaufklärung) ist eine Referenz zum Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. In den collagierten Videos sind zum einen Sequenzen historischer Propagandafilme der NS-Medienmaschinerie zum anderen Ausschnitte aus zeitgenössischen Youtube-Videos der sogenannten Neuen Rechten, bzw. der globalen, häufig auch global vernetzten rechtsextremen Bewegungen wie der amerikanischen Alt-Right-Bewegung, der italienischen Postfaschisten usw. zu sehen. „Strong is Beautiful“ setzt sich mit dem sozialdarwinistischen und kulturästhetischen Selbstverständnis der Nationalsozialisten auseinander: Der Kampf ums Dasein wurde als conditio humana, als Existenzbedingung des Menschen in Szene gesetzt und mit Vorstellungen von militärischer und körperlicher Wehrhaftigkeit, Korpsgeist und völkischem Zusammenhalt verbunden. Die darin enthaltene Menschenfeindlichkeit wiederum wurde durch eine Zurschaustellung von Fröhlichkeit und zwischenmenschlicher Intimität (vermeintlich) aufgehoben. Wie in „Strong is beautiful“ gilt auch für „War Room“ der grundsätzliche Befund, dass Radikalisierung und Ideologisierung medial vermittelt sind. Anders als zur Zeit des Dritten Reiches jedoch finden diese heute zumeist dezentraler und im Internet statt – durch den Gebrauch und/ oder die Verfremdung von Bildern, Symbolen und Memes. „War Room“ fragt, welchen Ursprung die Faszination mit Verschwörungstheorien, Nazi-Nostalgie sowie die Relativierung der nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen haben und zeigt zugleich, dass zeitgenössischer Rechtsextremismus in vielfältigen Formen erscheint. Die teils schockierenden Inszenierungen und Abbildungen von Gewalt dienen hier aber nicht der bloßen Reproduktion des Materials, sondern sind als Reframing ihrer ursprünglichen Zwecke und Bedeutungshorizonte intendiert.

Laura Fiorios Arbeit im Bärenzwinger ist Teil ihres künstlerischen Projekts „My Fascist Grandpa“. Das Projekt thematisiert, ausgehend von ihrer eigenen privaten Familiengeschichte, die oft tabuisierte und verschwiegene faschistische sowie koloniale Vergangenheit Italiens. Dafür sammelt sie Erbstücke aus Familienarchiven, Fotos, Briefe u.ä., und projiziert diese als verfremdete und verfremdende Interventionen auf faschistische Gebäude, um deren historische Hintergründe hinter der Fassade zu enthüllen. Die Fortsetzung des Projekts im Bärenzwinger ist prozessual und partizipativ angelegt. Durch einen Aufruf haben die Künstlerin und die Kuratorinnen der Ausstellung die lokale Öffentlichkeit dazu aufgerufen, Materialien abzugeben, die mit dem deutschen Faschismus: dem Nationalsozialismus in Zusammenhang stehen. Die Materialien wurden von Fiorio skulptural arrangiert, um die individuellen und privaten Geschichten und Erinnerungen in einen größeren diskursiven Kontext zu stellen und in die Öffentlichkeit zu bringen. Das Projekt ist dabei so angelegt, dass Besucherinnen auch über den Zeitraum der Ausstellung Materialien abgeben und teils selbstständig einbauen können. Dadurch werden die Besucher*innen nicht bloß als Teilnehmende aktiviert, sondern in den Diskurs einbezogen und zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte herausgefordert. Begleitet wird die Ausstellung außerdem von einem Workshop, der Möglichkeit zur weiteren Vertiefung bietet. Fiorios dreiteilige Intervention im Bärenzwinger beginnt im linken Käfig. Es ist das Schweigen und der Reflexionsstau der oft schambehafteten, verdrängten Individualgeschichten, die hier fokussiert werden. Zwei Leica- Diaprojektoren der Marke Leitz, gebaut in den 1930er Jahren, werfen Bilder verstorbener Faschisten und Nationalsozialisten auf hintereinander hängende Textildrucke mit Bildern derselben und anderer historischer Personen. Die Porosität und Durchlässigkeit der Drucke und die dadurch entstehende Interaktion zwischen ihnen weist wiederum auf die Wechselbezüglichkeit von Individual- und Kollektivgeschichten hin. Damit wird zugleich die Diskrepanz zwischen kollektiver Abgrenzung und individueller Aufarbeitung des familiären nationalsozialistischen Erbes problematisiert. Laut Erinnerungsmonitor (MEMO Deutschland) zählen nur 23 Prozent der Deutschen ihre Vorfahren zur Gruppe der Täter*innen, während 36 Prozent angeben, ihre Familienangehörigen wären Opfer des NS-Regimes gewesen. Indessen vermuten mehr als 30 Prozent, sie hätten selbst aktiven Widerstand geleistet. Schätzungen zufolge belief sich der Anteil aber faktisch auf nicht einmal 0,3 Prozent. In Anbetracht und entgegen dieser krassen Unstimmigkeiten zeigt Fiorio im rechten Zwinger die ersten Ergebnisse des Aufrufs. Hier sind Materialien (Fotos, Briefe, Geschirr etc.) in einer schwebenden Skulptur installiert. Ihr Schwebezustand steht stellvertretend für die fragile Unabgeschlossenheit und die Notwendigkeit eines moralischen Regulativs im Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe. Die Bildprojektionen der Overheadprojektoren werfen zugleich Schatten, das heißt Leerstellen an die Wand des Zwingers und damit Licht auf das Problem historischer Überlieferung: Was ist absichtlich oder unabsichtlich für immer dem Vergessen verfallen und wie ist damit aus erinnerungspolitischer und gesellschaftlicher Sicht umzugehen? Wie kann darüber hinaus der Instrumentalisierung des (Un-)Wissens über die Geschichte vorgebeugt werden? Der Diskurs über das nationalsozialistische Erbe bekommt im Beiklang dieser Fragen selbst einen historischen Ton. Dem widmet sich der dritte Teil von Fiorios Intervention: Im Vorraum zum Bärenzwinger – der zugleich Ein- wie Ausgang bildet – ist eine raumgreifende Videoinstallation zu sehen, in der die Variabilität und Geschichtlichkeit historischer wie gegenwärtiger Bedeutungszusammenhänge in Echtzeit und in Endlosschleife abgerufen und vollzogen werden. Ein Gespräch über Bäume, wie es in Brechts Gedicht An die Nachgeborenen heißt, ist in im Sinne historischer Entwicklung heute nicht mehr ein Verschweigen von Verbrechen. Vielmehr ist es ein notwendiger Bestandteil der Diskussion um die Frage, welche Folgen der Klimawandel für den sozialen Frieden, die Entwicklung der Demokratie und der Umgang mit ihrem größten Feind, dem Rechtsextremismus hat. Rechtsextremismus ist nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ein globales Problemfeld.

Eröffnung

8.5.2024 ab 18:00 Uhr

Eintritt frei

Am Mittwoch, den 8. Mai 2024, lädt der Bärenzwinger ab 18 Uhr herzlich zur Eröffnung der Ausstellung »Nie wieder und jetzt« ein.

Die Duo-Ausstellung vereint die künstlerischen Arbeiten der Künstler*innen Laura Fiorio und Jakob Ganslmeier.

In vier Ausstellungen unter dem Titel »Kanten und Knoten« erkundet der Bärenzwinger Linien als grundlegendes Element von Netzwerken, in denen Knoten für Menschen oder Orte stehen und Kanten die Beziehungen zwischen ihnen darstellen – angelehnt an die Graphentheorie, nach der Knoten einzelne Punkte und Kanten die Verbindungen zwischen ihnen repräsentieren.

Die zweite Ausstellung im Jahr 2024 geht der Frage nach, welche Grenzverhandlungen und Verbindungen im Kontext des (Rechts-)Extremismus entstehen.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Workshop der Künstlerin Laura Fiorio und einem Performanceprogramm vom Kollektiv Scheherazade.

Aufruf zur Abgabe

Für die Ausstellung »Nie wieder und jetzt« im Bärenzwinger Berlin laden die Kurator*innen Lina Kröger und Julius Kaftan zusammen mit der Künstlerin Laura Fiorio dazu ein, sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Dabei soll es insbesondere um die Thematisierung des Nationalsozialismus und den Umgang mit diesem Erbe in den Familiengedächtnissen der deutschen Bevölkerung gehen. Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte beschäftigt sich die italienische Künstlerin Fiorio mit den Möglichkeiten, tabuisierte und verdrängte individuelle Geschichten und Erinnerungen aus dem Privaten in den öffentlichen Raum und die öffentliche Diskussion zu übertragen. Auch der Bärenzwinger setzt sich im Rahmen der Ausstellung mit seiner eigenen Geschichte auseinander. Das Gebäude wurde 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs feierlich eröffnet und fungierte nicht zuletzt als Symbol der mythologischen Selbstinszenierung des NS-Regimes. 

Wie hängen diese vergangenen Geschichten zusammen und beeinflussen unsere Gegenwart?

Diese und weitere Fragen werden im Laufe der Ausstellung aufgegriffen.

Sie können mit Ihren eigenen Objekten, Familienfotos, Briefen oder anderen Dokumenten und Gegenständen beitragen, die mit dem nationalsozialistischen Erbe in Verbindung gebracht werden können. Es können auch Kopien der Dokumente und Gegenstände abgegeben werden. Die Materialien sollen Teil der Ausstellung werden. Die Abgabe kann sowohl anonym als auch unter Angabe eines Namens erfolgen. Es wird ein Formular zur Erfassung (zwecks späterer Abholung etc.) der Dokumente und Gegenstände bereitliegen.

Begleitend zur Ausstellung werden Workshops angeboten, in denen die Fragen zur individuellen und kollektiven Erinnerung gemeinsam diskutiert werden können.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an uns, unter: 

Lina.Kroeger@ba-mitte.berlin.de;
Julius.Kaftan@ba-mitte.berlin.de  

Wo kann abgegeben werden?
Bärenzwinger Berlin
Rungestraße 30
10179 Berlin
oder an: hello@laurafiorio.com

Wann kann abgegeben werden?
5.4. – 28.4.24,
Di-So, 11-19 Uhr

29.04. – 7.5.24,
11-17 Uhr

Ausnahme: Am 1. Mai ist der Bärenzwinger geschlossen

Laura Fiorio

Laura Fiorio (geb. 1985) ist eine Künstlerin, die mit Fotografie, Installation und relationaler Praxis arbeitet. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Ihre Projekte, die durch chorische Erzählungen entwickelt werden, interagieren mit bestehenden Archiven und Materialien und hinterfragen die Machtdynamik, die in den Bearbeitungsprozess von Bildern als Erinnerungen eingebettet ist, ihren institutionalisierten Gebrauch und damit ihr kritisches und heilendes Potenzial.

Sie hat mit partizipativer und multimedialer Fotografie in sozialen Projekten gearbeitet, insbesondere mit Gefangenen, Menschen mit Behinderung und Obdachlosen.

Jakob Ganslmeier

Jakob Ganslmeier (geb. 1990) ist visueller Künstler und Fotograf. Er lebt und arbeitet in Den Haag, Niederlande. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt darauf, Darstellungen radikaler Ideologien zu demontieren, indem er mittels eines partizipativen und künstlerischen Ansatzes gegensteuert. So entstehen Räume und Fragen, die das geschlossene ideologische System brechen.

Seine Arbeiten wurden in Gedenkstätten und Kunstinstitutionen wie dem Foam Museum Amsterdam, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Krakau – MOCAK, der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie dem Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst in Cottbus ausgestellt und mit Preisen wie dem European Photo Exhibition Award, ZOZ Academy Grant und den Förderpreis der Lotto Brandenburg Stiftung ausgezeichnet.

Seit 2021 arbeitet er zusammen mit der visuellen Künstlerin Ana Zibelnik.

Nie wieder und jetzt?

Mein Nazi-Großvater

Wann: 1.6.2024 um 15 Uhr mit Laura Fiorio

Wo: Bärenzwinger Berlin, Rungestraße 30, 10179 Berlin.

Anmeldung erforderlich bis spätestens 31.05.24, 15 Uhr über folgenden Link:
docs.google

Aufgrund der Größe der Räumlichkeiten werden maximal 10 Teilnehmer*innen am Workshop teilnehmen können. Sie werden per Mail benachrichtigt. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Der Historikerin Ann Laura Stoler folgend, lässt sich mit Blick auf die Geschichte in manchen gegenwärtigen Diskursen eine „Aphasie“ feststellen, das heißt eine Unfähigkeit, über die eigene Vergangenheit zu sprechen, insbesondere wenn es darum geht, systemische Gewalt und Machtverhältnisse nachzuzeichnen.

Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte und der Verwicklung ihres Großvaters in das faschistische Regime in Italien sowie in den Kolonialkrieg in Äthiopien, entwickelt Fiorio ein kollaboratives Langzeitprojekt, das partizipative Archivierungsmethoden einsetzt, um sich mit Geschichten zu befassen, die aufgrund ihrer intimen Betroffenheit die Normalisierung von Ideologien aufzeigen.

Wie beeinflussen diese Hinterlassenschaften unsere Gegenwart?

Dieser Workshop lädt die Öffentlichkeit ein, Gegenstände (Bilder, Objekte, Dokumente) oder mündliche Erinnerungen aus ihren eigenen Familienarchiven mitzubringen oder Familiengeschichten zu teilen, die als „schwieriges Erbe“ betrachtet werden können, insbesondere im Zusammenhang mit der NS-Zeit in Deutschland. Das gesammelte Material wird aktiviert, um eine Diskussion an der Schnittstelle von öffentlich und privat zu initiieren.

Ziel ist es, einen Raum für Austausch und Diskussion zu schaffen, um Verbindungen zwischen den vielfältigen persönlichen Geschichten herzustellen, aber auch über die vielen stillen und verborgenen Spuren in unserem Alltag nachzudenken. Durch die kollektive Entfaltung von Erzählungen und Geschichten, die mit dem Verlust von Demokratie und Völkermorden verbunden sind, lädt der Workshop zum Nachdenken über die Gegenwart ein.

Der Workshop richtet sich an Einzelpersonen, die ihre Erinnerungen öffnen und gemeinsam private Archive öffnen möchten und einen sicheren Raum und eine vertrauensvolle Gemeinschaft brauchen, um sie zu teilen. Die Gruppe wird die Möglichkeiten und Wege der Wiederverwendung der gesammelten Gegenstände und Dokumente diskutieren, um die persönliche und kollektive Geschichte zu überdenken und neu zu schreiben. Ziel ist es, das Geschichtenerzählen zu üben und gemeinsame Methoden anzuwenden, um revisionistischen Absichten, einseitigen teils institutionalisierten Erzählungen und der Instrumentalisierung der Geschichte zu begegnen. Der Workshop ist auch eine Einladung, sich daran zu erinnern, dass jede einzelne Erzählung von Bedeutung ist und eine Rolle bei der Gestaltung der Geschichte spielt.

Nachbarschaftstreffen

23.06.2024

14:00-16:00 Uhr

»Kaffee, Kuchen und Geschichte(n)«

Der Bärenzwinger lädt alle Nachbar*innen und Interessierten zu einem Sonntagnachmittag mit Kaffee, Kuchen und Geschichtenerzählen ein. Unter dem Motto “Kaffee, Kuchen und …” öffnet der Bärenzwinger an einem Tag pro Ausstellung seine Türen für ein gemütliches Zusammenkommen der Nachbarschaft. Während wir Kaffee und selbstgebackenen Kuchen genießen, haben wir auch die Gelegenheit, uns zwanglos über Kunst und Kultur auszutauschen. Wir sind gespannt auf eure Perspektiven.

Dieses Nachbarschaftstreffen findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung “Nie wieder und jetzt” statt. Es handelt sich hierbei um die zweite Ausstellung im Jahresprogramm 2024 Kanten und Knoten. Die Duo-Ausstellung “Nie wieder und jetzt” vereint Arbeiten der Künstler:innen Laura Fiorio und Jakob Ganslmeier, die sich mit dem (schwierigen) Erbe persönlicher und kollektiver Geschichte(n) auseinandersetzen. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Erbe des Bärenzwingers selbst, der ursprünglich ein Gehege für die Berliner Wappentiere war. 1939 eröffnet, ist seine Geschichte auch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit verbunden. 

Doch mit jedem Ort sind unzählige Erinnerungen und Geschichten verbunden. Welche sind deine? 

Wir laden euch ein, am Nachbarschaftssonntag eure Geschichten zum Bärenzwinger und eurer Nachbarschaft zu teilen. Vielleicht habt ihr sogar persönliche Erinnerungsstücke, die ihr mitbringen möchtet? Ob Fotos, Karten, oder euer gesprochenes Wort -Wir freuen uns auf euch und eure Geschichte(n)!

Theaterperformance

19.7. und 20.7. jeweils 19 Uhr

Eintritt frei

Anmeldung unter: Lina.Kroeger@ba-mitte.berlin.de

Die unerzählte Geschichte von Mohammad Peter (Theaterperformance) Kollektiv Scheherazade

Das experimentelle Theaterstück „Die unerzählte Geschichte von Mohammad Peter“ beleuchtet das Phänomen des Rechtsextremismus in der Einwanderungs-gesellschaft und erzählt die Geschichte eines Teenagers mit Migrationshintergrund, der zum Neonazi wird.

Mohammad Peter – Sohn von zwei Migrant*innen, die mit den Herausforderungen der Ankunft in einem fremden Land zu kämpfen haben – hört auf zu sprechen. Niemand weiß, warum er schweigt. Ist es das Mobbing in der Schule? Hat er psychische Probleme? Oder liegt es daran, dass er einfach nicht mehr weiß, wo er herkommt und hingehört?

Vielleicht geben die vielen Briefe, die er schreibt, Aufschluss über Mohammad Peters Schweigen – Liebesbriefe an Beate.“

Aufruf zur Abgabe

Für die Ausstellung „Nie wieder und jetzt im Bärenzwinger Berlin laden die Kurator*innen Lina Kröger und Julius Kaftan zusammen mit der Künstlerin Laura Fiorio dazu ein, sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Dabei soll es insbesondere um die Thematisierung des Nationalsozialismus und den Umgang mit diesem Erbe in den Familiengedächtnissen der deutschen Bevölkerung gehen. Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte beschäftigt sich die italienische Künstlerin Fiorio mit den Möglichkeiten, tabuisierte und verdrängte individuelle Geschichten und Erinnerungen aus dem Privaten in den öffentlichen Raum und die öffentliche Diskussion zu übertragen. Auch der Bärenzwinger setzt sich im Rahmen der Ausstellung mit seiner eigenen Geschichte auseinander. Das Gebäude wurde 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs feierlich eröffnet und fungierte nicht zuletzt als Symbol der mythologischen Selbstinszenierung des NS-Regimes. 

Wie hängen diese vergangenen Geschichten zusammen und beeinflussen unsere Gegenwart?

Diese und weitere Fragen werden im Laufe der Ausstellung aufgegriffen.

Sie können mit Ihren eigenen Objekten, Familienfotos, Briefen oder anderen Dokumenten und Gegenständen beitragen, die mit dem nationalsozialistischen Erbe in Verbindung gebracht werden können. Es können auch Kopien der Dokumente und Gegenstände abgegeben werden. Die Materialien sollen Teil der Ausstellung werden. Die Abgabe kann sowohl anonym als auch unter Angabe eines Namens erfolgen. Es wird ein Formular zur Erfassung (zwecks späterer Abholung etc.) der Dokumente und Gegenstände bereitliegen.

Begleitend zur Ausstellung werden Workshops angeboten, in denen die Fragen zur individuellen und kollektiven Erinnerung gemeinsam diskutiert werden können.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an uns, unter: 

Lina.Kroeger@ba-mitte.berlin.de;
Julius.Kaftan@ba-mitte.berlin.de  

Wo kann abgegeben werden?
Bärenzwinger Berlin
Rungestraße 30
10179 Berlin
oder an: hello@laurafiorio.com

Wann kann abgegeben werden?
5.4. – 28.4.24,
Di-So, 11-19 Uhr

29.04. – 7.5.24,
11-17 Uhr

Ausnahme: Am 1. Mai ist der Bärenzwinger geschlossen

Open Call 2024

“Normal is an illusion. What is normal for the spider is chaos for the fly.” (Morticia Addams)

Im diesjährigen Jahresprogramm unter dem Titel »Kanten und Knoten« erkundet der Bärenzwinger in vier Ausstellungen Linien als grundlegendes Element von Netzwerken, in denen Knoten für Menschen oder Orte stehen und Kanten die Beziehungen zwischen ihnen darstellen.

Im Kontext des Bärenzwingers ist die Verhandlung von Linien besonders relevant. Als ehemaliger Zwinger ist er mit seinen Käfigstangen und Wassergräben dafür geschaffen worden, Bären und Besucher*innen, Tiergehege und Stadt zu trennen. Gleichzeitig fungierte er als Ort der Begegnung zwischen Tier und Mensch, Natur und Kultur. Somit steht der Bärenzwinger exemplarisch für die Dualität von Linien als Grenzen und Verbindungen.

Die Winterausstellung widmet sich in ihrer thematischen Ausrichtung dem Phänomen der Tabus. Das Konzept des Tabus ist tief in menschlichen Gesellschaften verwurzelt und bezieht sich auf Verhaltensweisen, Handlungen oder Themen, die als streng unangemessen, verboten oder heilig betrachtet werden. Das Verständnis von Tabus und was als moralisch richtig oder falsch angesehen wird, ist stark von kulturellen, sozialen und historischen Kontexten geprägt. Im Allgemeinen manifestieren sich Tabus als Strukturgeber für Normen und Werte, die darüber entscheiden, was eine Gemeinschaft als Teil ihrer Identität betrachtet – und was sowohl bewusst als auch unbewusst ausgeschlossen und versteckt wird. Diese unsichtbaren Linien erscheinen als metaphysische Gesetzmäßigkeiten, doch ihre Bedeutung reicht weit darüber hinaus; sie fungieren als Wahrnehmungsraster, die unsere Sicht auf die Welt formen. Oftmals sind sie derart tief in unser kollektives Bewusstsein eingeschrieben, dass ihrer Existenz kaum Beachtung geschenkt wird. Es entsteht eine Wahrnehmung von Tabus als gegebene Normen, die selten in Frage gestellt werden. Dennoch sind es genau diese Tabus, die die Parameter für Normen und Abnormitäten definieren. In diesem Prozess formen Tabus unsere kollektive und individuelle Identität.

Die Winterausstellung setzt sich zum Ziel, durch das transparent machen bestehender gesellschaftlicher Tabus einen dialogischen Raum zu schaffen, der sich um die unsichtbaren Konturen dreht, welche sich um Individuen und Gemeinschaften schlingen. Durch die Einladung zu einem Perspektivwechsel sollen die verborgenen Rahmen, die unsere Wahrnehmung prägen, sichtbar gemacht werden.

Da es sich bei den Räumlichkeiten des Bärenzwingers um ein ehemaliges Tiergehege handelt, und nicht um einen White Cube, ist das Projekt immer auch vor dem Hintergrund der spezifischen Orts- und Raumsymbolik zu denken. Der Bärenzwinger verfügt über einen kleinen Innenbereich und einen Außenraum, der auch als Ausstellungsfläche dient, weshalb die hier gezeigten Arbeiten winterfest sein müssen. Auch im Innenbereich müssen die winterlichen Bedingungen berücksichtigt werden.

Künstler*innen sind herzlich eingeladen, einen konkreten Projektvorschlag einzureichen! Von den Vorschlägen werden sechs individuelle künstlerische Positionen ausgesucht, die in einen Dialog gebracht werden sollen.

Der Bärenzwinger unterliegt dem Denkmalschutz. Aus diesem Grund sind die folgenden Einschränkungen zu beachten:

  • Es darf nur im Innenraum in die Fugen gebohrt werden
  • Die Käfige sind nicht barrierefrei
  • Feuer ist nicht erlaubt
  • Der Blick von außen auf das Gebäude darf nicht verstellt werden

Praktische Informationen

  1. Zeitplan:
    • Open Call: 22.4. – 30.5.2024
    • Sichtung der Einreichungen: 31.5. – 30.6.2024
    • Jury-Sitzung: 1.7.2024
    • Bekanntmachung der Auswahl: Anfang Juli
    • Kick-Off: 8.7.2024
    • Zeitraum der Ausstellung: 24.10.2024 – 5.1.2025
  2. Wer kann sich bewerben?
    • Professionelle Künstler*innen (abgeschlossene Ausbildung) mit Arbeitsschwerpunkt in Berlin, Designer*innen, Kollektive.
    • Ein Hauptwohnsitz in Berlin ist nicht notwendig, allerdings kann der Bärenzwinger keine Reise- oder Aufenthaltskosten übernehmen.
    • Der Bärenzwinger ermutigt und begrüßt Bewerber*innen mit unterschiedlichem Hintergrund. Wir sprechen uns gegen jede Form von Diskriminierung aus. Leider ist die bauliche Barrierefreiheit nur teilweise gewährleistet aufgrund der Infrastruktur des denkmalgeschützten Gebäudes.
  3. Arbeitsmittel und Unterstützung:
    • Die Werkproduktion wird pro künstlerischer Position mit bis zu 183 Euro finanziert. Unser Team unterstützt die Projekte außerdem mit Transport, Aufbau-Team, Pressearbeit und Besucher*innenservice.
  4. Ausstellungsfläche:
    • Der Bärenzwinger als Gebäude und seine zwei Außenterrassen.
    • Erste Raumeindrücke sind unter folgenden Links zu finden:
      Youtube
      Artland
  5. Honorare:
    • Künstler*innen- bzw. Kollektivhonorar von 800 Euro brutto (je künstlerischer Position)
  6. Kuration:
    • Vanessa Göppner und Janine Pauleck
  7. Jury:
    • Künstlerisches Leitungsteam Bärenzwinger
  8. Website:
    www.baerenzwinger.berlin/aktuell
  9. Wie wird die Bewerbung eingereicht?
    • Die Bewerbungen bitte als Querformat in einem PDF-Dokument (max. 10 MB) einreichen
    • Dokumentbezeichnung: Name_Vorname_BZ_OpenCall_2024
    • Alle Bewerbungsunterlagen können in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden.
    • Seite 1: Projektvorschlag (300-500 Wörter, mit Bild max. eine Din A4 Seite)
    • Seite 2: Technische Anforderungen (max. eine Din A4 Seite)
    • Seite 3-5: Mappe mit max. 3 Seiten inkl. Bilder, bei Kollektiven 5 Seiten
    • Seite 6: Lebenslauf (max. eine DIN A4 Seite

      Die Einreichung der Bewerbung erfolgt über diesen Link: https://form.jotform.com/241074077536053

      Deadline: 30.5.2024

      Unvollständige Bewerbungen sowie Bewerbungen, die nach dem 30.5.2024 eingehen werden nicht berücksichtigt
  10. Rückfragen oder technische Probleme?
    Bitte per Mail an

in mir draußen

Die erste Ausstellung im Jahresprogramm 2024 Kanten und Knoten widmet sich dem Geschichte(n)erzählen als Kulturpraktik und seiner besonderen Form in der Lyrik.

Die Duo-Ausstellung vereint Raum-, Video- und Soundinstallationen der Lyriker*innen Nail Doğan und Rike Scheffler.

Worte und Verse interagieren mit der Architektur des ehemaligen Tierzwingers, Flüstern versteckt sich in Mauern; Lyrik als Installation greift bestehende Bauformen auf, fließt nach draußen in die tiefen Wassergräben, die Tier und Mensch einst trennten.

Lyrische Stimmen sprechen von Verbindungen und Grenzen, fragen nach individueller und kollektiver, queerer und sich wandelnder Identität. Wie gestaltet sich unser Miteinander? Wer ist uns zugehörig? Wer wird mitgedacht und wer ausgeschlossen? Was ist es, das uns trennt?

Im Spannungsfeld von Lyrik und Raum kreiert »in mir draußen« ein Möglichkeitsfeld. Semiotik und Materialität erzeugen Widersprüche und Bindungen, Sprachen vermischen sich oder lösen sich auf. 

Rike Scheffler

Rike Scheffler arbeitet transdisziplinär in Gebieten der Lyrik, Performance, Installation und Musik. Poesie ist für Scheffler Möglichkeitsraum, transformative Praxis. Sie kollaboriert für internationale Workshop- und Performance-Serien mit Ólafur Elíasson’s Institut für Raumexperimente und entwickelt ausgehend von ihren Gedichten Performances, Sound- und Videoinstallationen sowie räumliche Poesie und immersive Ökosysteme, die gängige Wahrnehmungen in Frage stellen.

Für ihr Schaffen erhielt sie u.a. Arbeitsstipendien der Akademie der Künste Berlin, des Dt. Literatur- und des Dt. Musikfonds, der Dt. Akademie Villa Massimo (Casa Baldi) sowie den Wiesbadener Orphil-Debütpreis für politisches u. avantgardistisches Schreiben für ihren Gedichtband „der rest ist resonanz“ (kookbooks, 2014). Schefflers jüngst erschienener zweiter Gedichtband “Lava. Rituale” (kookbooks, 2023) erkundet zärtliche, spekulative Seinsweisen artenübergreifender Allianz und Kollaboration mit mehr-als-menschlichen Agent:innen und KI.

Scheffler tritt auf Kunst-, Musik- und Literaturfestivals rund um den Globus auf und präsentierte ihre Werke bisher u.a. in der Neuen Nationalgalerie, im Hamburger Bahnhof Berlin, im Kopenhagener Louisiana Museum of Modern Art und im Palais de Tokyo Paris.

Artist Portrait Louisiana Channel (2016)
https://channel.louisiana.dk/video/rike-schefflerpoetry-as-a-performance

Instagram
https://www.instagram.com/rikescheffler/

Nail Doğan

Nail Doğan ist Autor und wurde 1988 als Sohn eines Gasttaxifahrers und einer Gastputzfrau in Augsburg geboren.

Er lebt in Hamburg. 2020 gewann er beim 28. open mike-Wettbewerb für junge Literatur den Preis für Lyrik und den taz-Publikumspreis. 2023 erschien sein Lyrikdebüt „ausgeliehene suchtwörter“ im Elif Verlag.

Er ist außerdem Autor mehrerer Theaterstücke, die im Thalia Theater Hamburg uraufgeführt wurden.

Eröffnung

15.2.2024 ab 18 Uhr

19 Uhr
Sound Performance „Echoes from the Future“ von Rike Scheffler

20 Uhr
Lesung von Nail Doğan

Eintritt frei

Am Donnerstag den 15. Februar 2024, ab 18 Uhr lädt der Bärenzwinger Berlin ein zur Eröffnung der Ausstellung »in mir draußen«, mit Rike Scheffler und Nail Doğan

Die erste Ausstellung im Jahresprogramm 2024 Kanten und Knoten widmet sich dem Geschichte(n)erzählen als Kulturpraktik und seiner besonderen Form in der Lyrik. Die Duo-Ausstellung vereint Raum-, Video- und Soundinstallationen der Lyriker*innen Nail Doğan und Rike Scheffler. Worte und Verse interagieren mit der Architektur des ehemaligen Tierzwingers. Im Spannungsfeld von Lyrik und Raum kreiert »in mir draußen« ein Möglichkeitsfeld.

Displayed Words

26.3.2024
19 Uhr

Lesung + Gespräch
mit Lou Ferrand Rafael Moreno Kinga Tóth

Displayed Words ist das Literaturprojekt von CCA Berlin, kuratiert von Fabian Schöneich. Es ist ein Experiment im Umgang mit Sprache, Text und Poesie durch digitale und öffentliche Formate. Wer und was definiert den Raum, in dem Wörter abgebildet und Bedeutungen erzeugt werden? Wie ververändert sich die Wahrnehm ung von Text von einem Medium zum anderen?

Displayed Words spielt mit der Verständlichkeit
von Text und seinen vielfvielfältigen Darst ellungen; es stellt Fragen nach dem Kontext, in dem Literatur und Poesie wahrgenommen und verstanden werden können.

Schließlich fragt es, wie Text vermittelt wird und in welcher Sprache der dominante Diskurs und die Literatur in einer Metropole wie Berlin kommuniziert werden.

Wie verhält es sich mit Sprachen, die als minoritär gelten und die man in der Stadt in alltäglichen Begegnungen hört, wie z. B. Russisch, Türkisch, Arabisch, Vietnamesisch, oder Spanisch…?

Die Lesungen werden von einem Musik-/Soundelement begleitet, gefolgt von einem Gespräch mit Lou Ferrand, Kuratorin und Schriftstellerin in Paris und Jeunes Commissaires Fellow des CCA Berlin im Jahr 2023.

Displayed Words ist eine Kooperation zwischen dem CCA Berlin und dem Bezirksamt Mitte in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstler*programm des DAAD und zeigt Arbeiten von Ingeborg Bachmann, Angélica Freitas, Hassan Khan, Otis Mensah, Rafael Moreno, Nazanin Noori, Nhã Thuyên, Kinga Tóth. Alle ausgestellten Werke sind auch auf displayedwords.org zu sehen. Das Projekt wird von einer Reihe von Leseveranstaltungen und einem Konzert begleitet. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Projektmittel von Draussenstadt und dem DAAD Artists-in-Berlin.

Nachbarschaftstreffen

14.4.2024

14-16 Uhr

»Kaffee, Kuchen und Lyrik«

Der Bärenzwinger lädt alle Nachbar*innen und Interessierten zu einem lyrischen Sonntagnachmittag mit Kaffee und Kuchen ein. Unter dem Motto “Kaffee, Kuchen und … ” öffnet der Bärenzwinger ab sofort an einem Tag pro Ausstellung seine Türen für ein gemütliches Zusammenkommen der Nachbarschaft. Während wir Kaffee und selbstgebackenen Kuchen genießen, haben wir auch die Gelegenheit, uns zwanglos über Kunst und Kultur auszutauschen. Wir sind gespannt auf eure Perspektiven.

Los geht’s mit Lyrik – dieses Nachbarschaftstreffen findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung “in mir draußen” statt. Es handelt sich hierbei um die erste Ausstellung im Jahresprogramm2024 Kanten und Knoten. Die Duo-Ausstellung “in mir draußen”vereint Raum-, Video- und Soundinstallationen der Lyriker*innenNail Doğan und Rike Scheffler.

Wir laden euch ein, eure Lieblingsgedichte mitzubringen, sie vorzulesen, gemeinsam zu lesen oder ihnen einfach nur zuzuhören. Egal ob Kinderreim, Ballade oder haiku, egal ob selbst geschrieben oder selbst gefunden: alles an Lyrik ist willkommen. 

Wir freuen uns auf euch und eure Gedichte!

Clinch

19.4.2024
20.4.2024
21.4.2024

21 Uhr


»Clinch«
Performance
WILD ACCESS

WILD ACCESS ist eine interdisziplinäre Performance-Company, die seit 2021 ortsbezogene Produktionen für öffentliche Räume kreiert. Mittels Tanz, Licht, Ton und Geschichtenerzählungen, laden ihre immersiven Performances das Publikum dazu ein, lokale Orte und Geschichte neu zu denken und sich für sinnliche Vorstellungswelten und Fiktionen im Stadtraum zu öffnen.

Beatrix Joyce
Michela Filzi
Lena Gätjens
Susanna Ylikoski
Savina Casarin
Imola Nagy
Sebastian Faust
Hannah Schillinger

Ausgehend von der Geschichte des Bärenzwingers erforscht die interdisziplinäre Performance-Company WILD ACCESS Tiere in Gefangenschaft und eine Begegnung mit der »Wildnis«. Indem sie eine fiktive, immersive Umgebung schaffen, geraten die Performerinnen in einen »CLINCH«; ein Ringen auf engstem Raum zwischen dem Menschlichen und dem Nicht-Menschlichen, zwischen Klauen und Kiefer. Das Publikum ist eingeladen, an einer erweiterten Choreografie teilzunehmen, die Territorien der Domestizierung und Wildnis durchquert.

Die Wettervorhersage ist uns nicht wohl gesonnen, deswegen denkt an wettergerechte Kleidung. ☂️

Finissage

28.4.2024
16 Uhr

mit Lesungen von
Rike Scheffler
und
Nail Doğan

Am 28. April 2024 lädt der Bärenzwinger von 16-19 Uhr herzlich zur Finissage der Ausstellung »in mir draußen« ein. Die Lyriker*innen Rike Scheffler und Nail Doğan werden lesen und die Ausstellung ein letztes Mal zu sehen sein.

Lyrische Stimmen sprechen von Verbindungen und Grenzen fragen, fragen nach individueller und kollektiver, queerer und sich wandelnder Identität. Wie gestaltet sich unser Miteinander? Wer ist uns zugehörig? Wer wird mitgedacht und wer ausgeschlossen? Was ist es, das uns trennt? 
Im Spannungsfeld von Lyrik und Raum kreiert »in mir draußen« ein Möglichkeitsfeld. Semiotik und Materialität erzeugen Widersprüche und Bindungen, Sprachen vermischen sich oder lösen sich auf.