Bärenzwinger

Der Bärenzwinger im Köllnischen Park

Der Bärenzwinger im Köllnischen Park birgt noch immer zahlreiche Spuren seiner Nutzungsvergangenheit als langjähriges Domizil der Berliner Wappentiere. Nun reagieren Künstler*innen und Wissenschaftler*innen mit ortsspezifischen Interventionen und Rauminstallationen auf die Geschichte des Ortes. Workshops und Veranstaltungen stellen Bezüge zur kulturellen Stadtgestaltung, der Geschichte Berlins und zur Gegenwartskunst her. Der Bärenzwinger hat sich so neben der Klosterruine zu einem der »spannendsten Orte für zeitgenössische Kunst« (Kunstforum 2020) entwickelt.

Das kuratorische Programm wird vom wechselnden Team wissenschaftlicher Volontär*innen des Fachbereichs Kunst, Kultur und Geschichte gestaltet. Die Ausstellungen und Veranstaltungen widmen sich dabei vielfältigen Formen und Formaten und loten das Potenzial des Ortes für künstlerische Positionen aus.

2017 hatte der Fachbereich nach fast zweijährigem Leerstand die Verantwortung für dieses Kulturdenkmal übernommen, das sich zu einem stadträumlichen Anziehungspunkt mit hohem Bekanntheits- und Sympathiewert entwickelt hat. Die immense identitätsstiftende Wirkung des Bärenzwingers bei Berliner Bürger*innen ist deshalb auch von beispielhaftem Wert, sowohl für die künftige Stadtgestaltung im Bereich der nördlichen Luisenstadt als auch jener der nahe gelegenen historischen Berliner Mitte. Der Bärenzwinger wird in diesem Sinne als öffentlicher kultureller Lern- und Lehrort sowie als Wissensplattform für Stadtkultur entwickelt.

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Peter Zimmermann, Bundesarchiv 1973 [Fotografie]

Geschichte

Bis zu jenem Tag im Herbst 2015, an dem Schnute, die letzte weibliche Stadtbärin eingeschläfert wurde, beherbergte der Bärenzwinger für fast achtzig Jahre mehrere Generationen von Braunbären, den Berliner Wappentieren.

Der Bärenzwinger wurde am 17. August 1939 mit den vier Bären Urs, Vreni, Lotte und Jule offiziell eröffnet. Urs und Vreni kamen aus dem weltbekannten Berner Bärengraben und waren Geschenke der Stadt Bern anlässlich der 700-Jahrfeier Berlins im Jahr 1937.

Was nach einer unpolitischen Aktion auf Bürgerwunsch aussah, hat dem NS-Regime sehr gut ins Konzept der Selbstinszenierung und der Ablenkung der Bevölkerung gepasst. Die Beschäftigung mit der Natur- und Tierwelt war Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie. Die heimischen Wildtiere mussten für dieses mythologisch aufgeladene Weltbild herhalten – so auch der Bär als Symbol für Stärke und Überlegenheit. Bestimmt war es kein Zufall, dass zur gleichen Zeit auch an anderen Orten in Deutschland Bärenzwinger errichtet wurden – beispielsweise 1939 in Ulm.

Das ursprünglich als Stadtreinigung erbaute Gebäude im Köllnischen Park, war vom Berliner Architekten Georg Lorenz zum Bärenzwinger um- und ausgebaut worden.

Anfang 1941 kam ein weiterer Bär in den Zwinger. Der ›Geschwaderbär‹ Purzel, das ehemalige Maskottchen einer Fliegerstaffel der Luftwaffe. Trotz des Kriegszustandes wurde beschlossen, den Bärenzwinger weiter zu erhalten. Die Verpflegung der Bären bestand aus Gemüse, das teilweise auf dem Alexanderplatz angebaut wurde, aus Pferdefleisch und für den menschlichen Verzehr nicht geeignetem Brot. In den letzten Kriegsmonaten 1945 wurde der Bärenzwinger schwer beschädigt. Von den fünf Bären hat nur eine Bärin, Lotte, überlebt und wurde in den Zoologischen Garten gebracht, wo sie noch bis 1971 gelebt hat.

Das Areal wurde dank des Einsatzes von Bürger*innen vom Schutt befreit und am 29. November 1949 mit den Bärinnen Nante und Jette wiedereröffnet.

Der Erhalt des im Ostteil der Stadt gelegenen Bärenzwingers stand kurz nach dem Mauerfall angesichts seines schlechten baulichen Zustandes erneut zur Debatte, bis private Spendeninitiativen seine Restaurierung in Gang brachten.

Seit etwa den Nullerjahren regte sich wiederum aufgrund von Zweifeln am Wohlergehen der Tiere zunehmend Widerstand gegen die Haltung von Bären in dem Areal. Die tierschutzrechtliche Kritik veranlasste schließlich den kommunalen Beschluss, dass nach dem Tod von Schnute keine weiteren Bären in den Zwinger einziehen würden.