Prolog

Im Kontext des Jahresthema Heimsuchungen / Hauntings entfaltet sich das künstlerische Programm des Bärenzwingers in einer vierteiligen Dramaturgie. An vier Wochenenden des Jahres, im Zeitraum vom 15. Mai bis zum 18. Oktober befassen sich der Prolog und die drei Akte mit vergangenen Orten, Personen und Dingen und nehmen das Fehlende ernst — das nicht mehr greifbare als Abwesenheiten, die trotzdem wirken, und als Frage, die keine einfache Antwort kennt. Im Spannungsfeld von Konservation und Transformation wird das Denkmal Bärenzwinger zur Kulisse und Bühne für die künstlerische Suche nach dem Umgang mit Verlust im Hinblick auf eine eigene, ungewisse Zukunft.

Angelehnt an Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien (1922) entwickelt sich ein Programm aus Performances, Workshops, Lesungen und Listening Sessions. Im Zeitraum von zehn Jahren geschrieben, zeichnet Rilke in den Klageliedern eine Suchbewegung nach, die bei der Anrufung an Abwesendes beginnt und daraufhin zu der Frage nach dem Umgang mit dem Fehlenden führt. Wie kann man Erinnerungen angemessen konservieren und sie sicher durch die Zeit tragen? Rilkes Antwort ist keine Lösung, sondern eine Bewegung: Erinnerungen überleben nicht durch Konservierung, sondern indem sie in neue Kontexte eintreten und sich dabei verändern — und so den Weg für das freimachen, was noch nicht da ist. Während es für Rilke kein abschließendes Ende der Elegien gibt, stellt das Programm die Weichen für das 10 Jährige Jubiläum des Bärenzwingers als kommunale Galerie im Jahr 2027.

15.05.2026

Mit dem Prolog am 15. Mai eröffnet der Bärenzwinger das Jahresprogramm Heimsuchungen. Als Anrufung ins Leere angelegt, markiert er den Auftakt und stimmt auf den Interpretationszyklus des Jahres ein, der sich, angelehnt an Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien, als Suchbewegung versteht: Erinnern erscheint hier nicht als bloßes Bewahren, sondern als eine Transformation in neue Kontexte.

Den Einstieg in diese Bewegung bildet die Performance Der Puma ist kein deutsches Tier von Luciano Mezzo um 18:00 Uhr.

Luciano Mazzo

Luciano Mazzo ist ein chilenischer Künstler, der in Stuttgart lebt. Er absolvierte einen Bachelor-Studiengang in Theaterwissenschaften an der Universidad de Chile und schloss seinen Master in Bildender Kunst an der ABK Stuttgart mit den Schwerpunkten performative Sprachen und dekoloniale Ansätze ab, unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sein Hauptthema sind Lateinamerikastudien, wobei er untersucht, wie persönliche Erfahrungen und Affekte dazu beitragen, politische Strukturen und Makrostrukturen der Macht zu verstehen.

Er arbeitet vorwiegend in den Bereichen Performance, Videokunst und Installation und kombiniert dabei Elemente seines schauspielerischen und schriftstellerischen Hintergrunds. So verleihen seine Arbeiten eine starke textuelle Komponente sowie eine körperliche Präsenz und erweitern die Möglichkeiten des Körpers durch das Schaffen von Musik, die Ausführung komplexer Bewegungen und die direkte Verbindung zum Publikum durch Berührung.

Im Jahr 2025 gewann er den Performance-Kunstpreis der ABK. Derzeit bereitet er eine Einzelausstellung für den Ludwigsburger Kunstverein, eine Residenz bei Artist Unlimited (Bielefeld) und ein Werk für die Staatsgalerie Stuttgart vor.

KTTP, Open House: I´d like to talk aboout art, but I have to go to work, 2025

Weirder, Taller, Uglier, Louder – Feral Possible, around Karl-Marx-Straße and Carrer Cobalt

mit
Ran Zhang
Lolo & Sosaku

Grafik: Tessa Curran

Ausstellung

19.2.-10.5.2026

Die Ausstellung ist der dritte Teil von »Louder, Taller, Uglier, Weirder – Learning from Weeds / Von Unkraut lernen«, einem kuratorischen Projekt, bestehend aus vier Ausstellungen und einer Reihe von Veranstaltungen, sogenannte »Sprossen«, die im Zuge des Projekts entstehen.

Gastkuration: Anaïs Senli, Lorena Juan, Sonia Fernández Pan, Sylvia Sadzinski


Veranstaltungen

18.2.2026, ab 18 Uhr
Eröffnung

11.04.2026, 15 Uhr
Ausstellungsführung
mit Künstlerin Ran Zhang, Künstlerin/Kuratorin Anaïs Senli und Kuratorin Sonia Fernández Pan

Weitere Veranstaltungen werden auf www.louderugliertallerweirder.net veröffentlicht.

Ran Zhang

Ran Zhang entwickelt Erzählungen und Objekte aus organischen Mikroaufnahmen, Glaskörpertrübungen sowie Motiven motorischer und visueller Proteine. Sie interessiert sich für ungeplante Zwischenräume zwischen biologischem Wissen und persönlicher Erfahrung und sucht nach Formen einer Individualisierung von Wissenschaft im Alltag. In Neukölln sammelt sie bei Spaziergängen Beobachtungen und dokumentiert poetische Szenen zwischen zurückgelassenen Dingen.

Lolo & Sosaku

Lolo & Sosaku arbeiten mit Objekten, Klängen, Bildern, Bewegungen und den Reibungen zwischen diesen Elementen, um Schwellenzustände zu erzeugen. Materialität, Mechanik und Mystik dienen ihnen dazu, verborgene Energien und Kräfte freizulegen, die in unserem gemeinsamen Leben mit Technologie und obsoleten Geräten wirken. In den vielen Stunden im Atelier beschäftigen sie sich häufig mit der Entropie von Dingen. Sie interessieren sich besonders für Geräusch, Metall, Licht und Wasser.

Anaïs Senli

Anaïs Senli ist Künstlerin und unabhängige Kuratorin. Ausgehend von der Idee des Anderen als Austragungsort von Auseinandersetzung beschäftigt sie sich mit porösen Beziehungen, die uns verbinden und voneinander unterscheiden, sowie mit Fragen danach, was uns menschlich, fremd oder hybrid macht.

Lorena Juan

Lorena Juan ist Forscherin und Kuratorin mit Sitz in Berlin und Freiburg. Sie liest vor dem Einschlafen über die geologischen Phasen der Erde und beschäftigt sich mit den »verunkrauteten« Verflechtungen von Sprache.

Sonia Fernández Pan

Sonia Fernández Pan schreibt, kuratiert, produziert Podcasts und bewegt sich in migrantischen Rhythmen. »Weediness« ist ein gemeinsames Merkmal vieler Dinge, die sie interessieren. Berlin ist der Ort, an dem sie die meiste Zeit verbringt – im Austausch mit Freund*innen und Unbekannten in Zeiten von Zensur, offiziellen Unwahrheiten und mittragendem Schweigen.

Sylvia Sadzinski

Sylvia Sadzinski kuratiert, forscht, schreibt, lehrt und hält Vorträge. Obwohl ihr Nachname auf Polnisch »die Pflanzende« bedeutet, interessiert sie sich nicht für Gartenarbeit, sondern für das Schaffen von Räumen und Momenten des Zusammenkommens.