Anhand der räumlichen Infrastruktur im Bärenzwinger und um ihn herum erkundet die Ausstellung ›Grabenblicke‹ ortsspezifische Blickdispositive und deren Effekte auf die Verhältnisse
Der Blick in die Außengehege muss einen Zaun, eine Hecke, eine Mauer, Metallzähne, Gräben und eine hölzerne Absperrung überwinden.
Hinter diesen begrenzenden Elementen trifft er auf sich selbst: Die
bearbeiteten Spiegel der raumgreifenden Installation von Alex Lebus irritieren die architektonische Zuweisung von Subjekt- und Objektbeziehungen und verunsichern den Ort der Betrachter*innen.
Im Gehege gegenüber trifft der Blick auf ein Haus, dessen Kontext, Funktion und Herkunft im Unklaren bleibt, ein Haus das seltsam deplatziert wirkt: In der Arbeit von Marten Schech wird das künstliche, ehemals für die Bären eingerichtete Habitat samt der dort platzierten Findlinge zur Bühne und Bausubstanz.
Das Innere des Bärenzwingers blieb den Blicken der Öffentlichkeit lange versperrt. Im Vorraum greift Lawrence Power die zum Teil obsolet gewordenen zweckmäßigen Infrastrukturen mit malerischen
Mitteln auf. Seine subtilen Eingriffe und Erweiterungen der
vorfindlichen Elemente vervielfältigen die Oberflächen und erklären den
Raum selbst zur Leinwand.
Die Soundinstallation von Katharina Bévand vermisst schließlich die Architektur des abgedunkelten Zwingerraums und dessen sich gegenüberliegende Hohlräume mit auditiven Mitteln. Ihre Sounds werden reflektiert von Mauern, Decken und Käfiggittern – und durchdringen diese segregierenden Architekturen zugleich.
Kuratiert von Sebastian Häger und Julia Heunemann
Defence – Photo: Alex Lebus
Katharina Bévand
Die in Berlin lebende Klangkünstlerin Katharina Bévand
studierte Freie Kunst an Universitäten in Spanien, Südkorea und
Brasilien und absolvierte den Master in Sound Studies an der Universität
der Künste Berlin. 2017 erhielt sie eine Anerkennung für hervorragende
künstlerische Leistungen bei ›bonn hoeren – sonotopia‹ der Beethoven
Stiftung für Kunst und Kultur Bonn.
Ihre künstlerische Praxis bewegt sich zwischen performativen und installativen Klangarbeiten, welche die Akustiken von Architekturen, Objekten und dem menschlichen Körper erkunden. Ihre Klanginstallationen und Performances wurden in außergewöhnlichen Räumen ausgestellt und aufgeführt, darunter der Wasserspeicher Berlin, das Museum für Islamische Kunst (Pergamonmuseum) Berlin, das ehemalige Krematorium am Südstern, das Hamam der Zitadelle von Erbil in der Autonomen Region Kurdistan und das Sudhaus der Kindl-Brauerei in Berlin.
Alex Lebus
Alex Lebus
(*1980) setzt im Rahmen ihrer künstlerischen Auseinandersetzung
wiederholt Spiegel ein, um Reflektionen, Vervielfältigungen und
Rückblenden zu erzeugen, Offensichtliches zu enttarnen und in Frage zu
stellen und die Verhältnisse von Schein und Sein, Fakt und Fiktion immer
wieder neu zu erkunden. Alex Lebus lebt und arbeitet in Berlin. Sie
studierte Bildende Kunst an der HfBK in Dresden und war Meisterschülerin
bei Prof. Eberhard Bosslet.
Lebus hat bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teilgenommen, u.a. im Kunstraum Potsdam, in der Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, im EIGEN + ART Lab, in der Städtischen Galerie Dresden und bei PING PONG Basel und wird vertreten von EIGEN + ART Lab, Berlin. Neben dem Hegenbarth Stipendium und einer Artist Residency im Axel Springer Plug and Play Accelerator (Berlin) war sie Stipendiatin der Manchester School of Art (UK) und der Konrad-Adenauer-Stiftung (Berlin). 2019 ist sie für eine Artist Residency des KKV Grafikverkstad Malmö nach Schweden eingeladen.
Lawrence Power
Lawrence Power (*1982)
studierte bei Norbert Schwontkowski und Anselm Reyle an der HFBK Hamburg
sowie an der Université du Québec à Montréal (Kanada). Er war mit
Einzelausstellungen vertreten u.a. bei Balzer Projects (Basel), Pablo’s
Birthday (New York City), bei Emmanuel Post (Berlin) sowie in Hamburg in
der Diane Kruse Galerie und in der Galerie Tinderbox.
Power nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, unter anderem im Laden für Nichts (Leipzig) in der Galerie Kai Erdmann (Hamburg), in der Kleinen Gesellschaft für Kunst (Hamburg), in der Galerie Toolbox (Berlin), bei Jahn und Jahn (München), bei Carico Massimo (Livorno, Italien) und im Kunsthaus Hamburg. Er erhielt Stipendien und Preise vom Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, von der Ditze-Stiftung Hamburg und vom New Brunswick Art Board (Kanada).
Marten Schech
Marten Schech
(*1983) studierte an der HfBK in Dresden, bei Prof. Franka
Hörnschemeyer in Düsseldorf, an der University of Leeds (GB) und war
Meisterschüler bei Prof. Wilhelm Mundt.
Schech war mit Einzelausstellungen im Hans Körnig Museum, Dresden, bei Kabakon, Leipzig und beim Förderverein Aktuelle Kunst (FAK) im Institut für Kunstgeschichte, Münster vertreten und nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, zuletzt u.a. im Kunstverein Hamburg, im Kunstpalais Erlangen, im Kunstverein Familie Montez (Frankfurt am Main), im Europäischen Zentrum der Künste Hellerau, im Museum für zeitgenössische Kunst (MWW) Wroclaw (Polen) und bei L’Amour, Paris (Frankreich). Er war nominiert für den Boesner Art Award 2014, Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und erhielt den Caspar-David-Friedrich-Preis sowie den Marion Ermer Preis.
itinerant interludes wird kuratiert von Laurie Schwartz und gefördert von der initiative neue musik.
Begrüßung Dr. Ute Müller-Tischler Fachbereichsleiterin Kunst und Kultur, Bezirksamt Mitte von Berlin
Einführung durch die Gastkurator*innen Stefan Aue, Anne Hölck und Jessica Páez
Ausstellungsdauer 19.05. – 01.07.2018
Begleitveranstaltungen
So, 10.06.2018 15.30 und 16.30 Uhr Kuratorische Führung durch die Ausstellung
Fr, 29.06.2018 – ab 19 Uhr Finissage mit Lecture Performance von Prof. Dr. Stefanie Wenner und Musik von Frinda di Lanco
Die Architektur des Bärenzwingers konstruiert spezifische Realitäten: Bewegungen und Begegnungen von Bären und Menschen wurden durch Mechanismen perfekt reguliert: Gittersysteme bestimmten die Wege der Tiere, Pflegerinnen haben sie bedient und so die Szenerie in den Außengehegen für den Blick der Besucherinnen aufrecht erhalten.
Heute bilden diese Systeme wiederum die Kulisse für eine andere Inszenierung von Bewegung und eine neue Choreografie der Begegnung.
Inwieweit strukturieren Architekturen die Beziehung von Menschen, Tieren
und Objekten? Wie wird Verhalten durch räumliche Strukturen geprägt und
wie lassen sich diese festgeschriebenen Bedingungen aufbrechen und neu
verhandeln?
In der Ausstellung ›Swinger‹ geraten ehemalige
Grenzziehungen in Bewegung. Die mechanisch animierte Installation
›Pagodenwackeln‹ von Pätzug / Hertweck
bewegt sich raumübergreifend durch das Innere und Äußere des
Bärenzwingers und fordert eine Positionierung zum Raum und seinen
Leerstellen heraus.
In Kerstin Honeits
Video-Arbeit ›Panda Moonwalk or Why Meng Meng Walks Backwards‹
behaupten sich menschliche und nicht-menschliche Körper aktiv und
widerständig im Kontext sozialer Missstände.
Die Arbeiten
berühren, überlagern, unterbrechen sich und beschreiben veränderbare
Strukturen, sodass die Realitätskonstruktion des Bärenzwingers in sich
zusammenfällt und sich in einem nie vollendenden Loop neu inszeniert.
Kuratiert von Stefan Aue, Anne Hölck und Jessica Páez
Bärenzwinger – Foto Tobias WillmannKerstin Honeit »Panda Moonwalk oder Warum Meng Meng rückwärts läuft« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellungseröffnung »Swinger« – Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellungseröffnung »Swinger« – Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Kerstin Honeit »Panda Moonwalk oder Warum Meng Meng rückwärts läuft« und Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert Eckstein Ausstellung »Swinger« | Kerstin Honeit »Panda Moonwalk oder Warum Meng Meng rückwärts läuft« und Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Kerstin Honeit »Panda Moonwalk oder Warum Meng Meng rückwärts läuft« und Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Kerstin Honeit »Panda Moonwalk oder Warum Meng Meng rückwärts läuft« und Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Kerstin Honeit »Panda Moonwalk oder Warum Meng Meng rückwärts läuft« und Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellung »Swinger« | Pätzug / Hertweck »Pagodenwackeln« 2018 | Foto: Robert EcksteinAusstellungseröffnung »Swinger« – Foto: Robert Eckstein
Kerstin Honeit
In ihrer künstlerischen Forschung untersucht Kerstin Honeit
in Form von Videoarbeiten, Performances und Installationen die
Produktion hegemonialer Bilderwelten in den Medien der
Informationsgesellschaft und Popkultur, um an den Schnittstellen
zwischen Repräsentation und Rezeption mit Fragestellungen zur
Konstruktion gesellschaftlicher Normative zu intervenieren.
Pätzug / Hertweck
Irene Pätzug und Valentin Hertweck
arbeiten seit 2012 gemeinsam an großformatigen Installationen, die sich
unter Verwendung kinetischer Elemente mit dem Medium Raum
auseinandersetzen.
Ihre
Arbeiten hinterfragen die Beziehung zwischen Raum und Mensch, indem der
Raum zum Akteur wird. In der direkten Auseinandersetzung mit der
vorliegenden Architektur des Ausstellungsraumes wird der Raum zur
Kulisse, Bühne, Display und gerät in Bewegung, Aktion und erzeugt
Reaktion.
Gastkuration
Wir freuen uns sehr, dass Stefan Aue, Anne Hölck und Jessica Páez als Gastkurator*innen das fünfte Ausstellungsprojekt im Bärenzwinger kuratieren.
Stefan Aue konzipiert und realisiert thematische Projekte zwischen Wissenschaft und Kunst und ist derzeit am Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin tätig. Anne Hölck ist freie Szenografin an verschiedenen Theatern und kuratiert Ausstellungsprojekte im Feld der Human-Animal Studies. Jessica Páez arbeitet als freie Produzentin und Dramaturgin für Theater- und Kunstprojekte und ist seit 2015 Projektkoordinatorin am Haus der Kulturen der Welt (HKW). Als kuratorisches Team verbindet sie das gemeinsame Interesse an künstlerischer Wissensproduktion und ihrer Präsentation.
Der Anthropologe Martin Holbraad fragte ›Can the thing speak?‹ und eröffnete damit den nicht endenden Reigen von Texten, die sich in der Tradition Spivaks mit der Frage befassten, ob die Subalterne sprechen könne. Das Politische in der Kunst handelt oft genug genau davon, zur Sprache zu bringen, was nicht vorkommt im hegemonialen Sprechen. Was aber, wenn Sprache nicht das geeignete Mittel wäre, auch wissenschaftliche Sprache nicht, höchstens Poesie? Was wenn Sprache selbst das Problem ist, der gesuchte Übeltäter, dem nur beigekommen werden kann, indem gesagt wird, was sprachlich nicht ausgesagt werden kann? Wenn etwas eben nicht über etwas ist, sondern mit etwas?
Stefanie Wenner ist Professorin für Angewandte Theaterwissenschaft und Produktionsdramaturgie an der HfBK Dresden und arbeitet an besseren Darstellungen von Wirklichkeit.
Begrüßung Dr. Ute Müller-Tischler Fachbereichsleiterin Kunst und Kultur
Zur Ausstellung Nadia Pilchowski und Marie-Christin Lender
Performatives Intro Ivy Lee Fiebig
Ausstellungsdauer 24.03. – 06.05.2018
Begleitprogramm
Sa, 28.04.2018, 15-17 Uhr
Performances Ivy Lee Fiebig Setu (Akihiro Yamamoto & Takafumi Tsukamoto)
Ausstellungsrundgang mit Nadia Pilchowski und Marie-Christin Lender
Paradigmatisch für Zooarchitekturen gibt die Bauweise des Bärenzwingers
eine starre Trennung zwischen menschlichen und tierischen
Aufenthaltsbereichen vor. Als erste Ausstellung im Themenschwerpunkt ›Architekturen der Segregation‹ sucht ›Habitat‹
mittels zweier unterschiedlicher künstlerischer Strategien diese
Grenzen aufzuweichen und neue Interpretations- und Erfahrungsräume zu
schaffen.
Miriam Jonas,
deren Arbeiten sich oftmals im Spannungsfeld von perfekter Oberfläche
und dem davon überspielten Unheimlichen bewegen, überlagert die
Bärenkäfige mit einer neuen Materialschicht. Hybride visuelle Referenzen
schaffen ein Szenario, in dem eine Vermenschlichung der Tiere
wortwörtlich genommen und die formale Speziesneutralität der
Gefängnisarchitektur erfahrbar wird. Welchen Effekt hat die Optimierung
der Bedingungen in den Zellen bei Erhaltung der Funktionalität?
Die Auseinandersetzung mit Wachstum, Identität und Transformation von Lebewesen ist zentrales Thema in Andreas Greiners
künstlerischem Werk. Im Bärenzwinger finden biolumineszierende Algen
ihren Lebensraum in den architektonischen Begrenzungen einer Skulptur.
Ihr Leuchten im dunklen Raum führt gedanklich zurück zum Ursprung allen
Lebens. In den Außengehegen entsteht ein Biotop für Algen – ein Projekt
mit der Architektin Ivy Lee Fiebig, die vor Ort eine Symbiose mit dem
Algenflor eingeht und einen biologischen Kreislauf schafft. In Industrie
und Forschung liefern Algen bereits vielfach neue Lösungsansätze,
Fiebig selbst arbeitet an modularen Entwürfen für lebendige Architektur.
Kuratiert von Nadia Pilchowski und Marie-Christin Lender
Andreas Greiner, Symbiotische Architektur 1 – Foto Fernando Gutiérrez JuarezMiriam Jonas, SYNC – Foto Fernando Gutiérrez JuarezHabitat – Foto Tobias WillmannEröffnung der Ausstellung „Habitat“ | Miriam Jonas, SYNC – Foto Fernando Gutiérrez JuarezEröffnung der Ausstellung „Habitat“ – Foto Fernando Gutiérrez JuarezEröffnung der Ausstellung „Habitat“ – Foto Fernando Gutiérrez JuarezAndreas Greiner, Symbiotische Architektur 4 | Performatives Intro von Ivy Lee Fiebig – Foto Fernando Gutiérrez JuarezAndreas Greiner, Symbiotische Architektur 4 | Performatives Intro von Ivy Lee Fiebig – Foto Fernando Gutiérrez JuarezAndreas Greiner, Symbiotische Architektur 1 – Foto Fernando Gutiérrez JuarezAndreas Greiner, Symbiotische Architektur 1 – Foto Fernando Gutiérrez JuarezAndreas Greiner, Symbiotische Architektur 3 – Foto: Studio Andreas Greiner
Miriam Jonas
Miriam Jonas
(*1981) studierte bei Ayse Erkmen und Katharina Fritsch an der
Kunstakademie Münster, wo sie selbst seit 2017 lehrt. Vor ihrem Studium
machte sie eine klassische, handwerkliche Ausbildung zur Bühnenmalerin-
und Plastikerin an der Oper Bonn.
Ihre ortsspezifischen
Skulpturen und Installationen entstehen meist in direkter
Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten des Raumes und dessen
charakteristischen Elementen.
Sie funktionieren oft als Kommentar zu dem Vorhandenen und finden dementsprechend Ausdruck in unterschiedlichster Form, Farbe und Materialität. Die Gemeinsamkeit liegt in der stofflichen Präsenz, die Spuren der Bearbeitung sind kaum noch erkennbar.
Als Künstlerin und Handwerkerin tritt Jonas bewusst in den Hintergrund ihrer Arbeiten und öffnet den Blick für eine besondere, irritierende Klarheit. Neben einer Einzelausstellung im Kunstverein Greven, wurden ihre Werke in Berlin in der Bar Barbette, der Galerie Russi Klenner, dem Kunsthaus Dahlem, Eigen+Art Lab und bei Kwadrat gezeigt.
Andreas Greiner
Andreas Greiner
(*1979) studierte Kunst und Medizin unter anderem an der Technischen
Universität Dresden, der Akademie der Künste Dresden und der UdK in
Berlin. 2012 schloss er als Meisterschüler Olafur Eliassons am Institut
für Raumexperimente ab.
Greiner arbeitet an der Schnittstelle
zwischen Kunst und Wissenschaft und setzte sich mit der Realität der
Konsumgesellschaft auseinander.
2016 erhielt er den GASAG Kunstpreis für seine Ausstellung in der Berlinischen Galerie, ›Agentur des Exponenten‹, für die er unter anderem ein im 3D-Druckverfahren erzeugtes Skelett eines Masthuhns entwickelte, das der Gattung ein Denkmal setzt.
Im letzten Jahr präsentierte er seine Werke unter anderem im Kunstverein Arnsberg, im Hamburger Bahnhof im Rahmen des Festival of Future Nows, im Sprengel Museum Hannover, der Galerie Dittrich und Schlechtriem in Berlin, im Kunstverein Krefeld und dem nbk in Berlin. International stellte er in Dänemark, Korea und den USA aus.
Performances
Sa, 28. April 2018 15-17 Uhr
›Koke no Ori‹ von Setu
Moos mit seiner samtigen, gleichmäßigen Oberfläche besticht durch Genügsamkeit und Eleganz. Die schlichte Schönheit japanischer Moosgärten, wie sie beispielsweise in Zen-buddhistischen Klöstern und hier von dem japanischen Architekten-Künstler-Duo Setu, bestehend aus Akihiro Yamamoto und Takafumi Tsukamoto, angelegt werden, gründet in einem tiefen Respekt für das feine Bodengewächs.
Nicht nur nach einem ästhetischen Sinn strebend, sondern auch in Absicht, das zwischen den eisernen Stäben, die das Außengehege abgrenzen und an den Mauern des Bärenzwingers gewachsene delikate Moos vor Mensch, Tier und trockener Witterung zu schützen, wird ihm ein optimales Habitat geschaffen.
›Wasser ist schwer‹ von Ivy Lee Fiebig
In dem Außengehege ließ Architektin Ivy Lee Fiebig ein Biotop für
Algen entstehen in dem sie seit Beginn der Ausstellung vor Ort eine
Symbiose mit dem Frühlingsalgenflor eingeht und einen biologischen
Kreislauf innerhalb einer geschlossenen Einheit erprobt. Eine mit einem
Fahrrad betriebene Pumpe sorgt für den Austausch zwischen den
verschiedenen organischen und anorganischen Entitäten, die sich in
kontinuierlicher Umwandlung befinden.
In einem Wettlauf um die Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Bedingungen wird das Fahrrad betrieben, um das Algenwachstum zu potenzieren und damit den Prozess der Photosynthese und die Produktion von Energie und Nahrung sowie die Trinkwasseraufbereitung zu beschleunigen. Ziel dieses architektonischen Entwurfs einer künstlich hergestellten Eine-Frau-Biosphäre ist es, ein Gleichgewicht zwischen Mensch, Umwelt und der darin lebenden Wesen herzustellen.
Die
Ausstellung wird ermöglicht durch die spartenübergreifende Förderung
und den Fonds für Ausstellungsvergütung der Senatsverwaltung für Kultur
und Europa sowie durch die innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft
gGmbH.
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