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Künstlerisches Programm

Termine:

Akt 1
Denn Bleiben ist nirgends
12. bis 14. Juni 2026

Akt 2
Schmeckt denn der Weltraum
in den wir uns lösen, nach uns?
07. bis 09. August 2026

Akt 3
Nirgends wird Welt sein, als innen.
16. bis 18. Oktober 2026

Angelehnt an Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien (1922) entwickelt sich das künstlerische Programm des Bärenzwingers in einer vierteiligen Dramaturgie im Zeitraum vom 15. Mai bis zum 18. Oktober. Über zehn Jahre hinweg geschrieben, zeichnet Rilke in den Klageliedern eine Suchbewegung nach, die bei der Anrufung an vergangenen Orten, Personen und Dingen beginnt und daraufhin zu der Frage nach dem Umgang mit dem Fehlenden führt.

Im Spannungsfeld von Konservation und Transformation wird das Denkmal Bärenzwinger zur Kulisse und Bühne für die künstlerische Suche nach dem Umgang mit Verlust im Hinblick auf eine ungewisse Zukunft.

Rilkes Antwort hierauf ist keine Lösung, sondern eine Bewegung: Erinnerungen überleben nicht durch Konservierung, sondern indem sie in neue Kontexte eintreten und sich dabei verändern — und so den Weg für das freimachen, was noch nicht da ist. Während es für Rilke kein abschließendes Ende der Elegien gibt, stellt das Programm die Weichen für das 10 Jährige Jubiläum des Bärenzwingers als kommunale Galerie im Jahr 2027.

Kuratiert von Luise Haubenreiser, Philipp Hennch, Pauline Kling, Kaya Peters, Nicola Reißer, Niva Sann und Josephine Steffens

Programm Akt I

LINE UP:

Freitag, 12.06.
19 – 22 Uhr
Listening Session
mit theories

Samstag, 13.06.
14 – 16:30 Uhr
How to perform a scream (I keep a roar in my mouth)
mit Nadja Kracunovic
Workshop

17 – 18 Uhr
Lecture Performance
mit Paula Schopf

19 – 20 Uhr
Performance
mit Sofya Sheikut, begleitet von Katsia Kaya

Sonntag, 14.06
14 – 15 Uhr
My deeds don’t fit my name
mit Yasmeen Al-Qaisi
Radio Performance

17 – 18 Uhr
SHOW ME THE BODY
mit Agata Siniarska alias TATARI mit Ilya Subkoff
Performancekonzert

Unter dem Titel Denn bleiben ist nirgends lädt der erste Akt des künstlerischen zu einer Form der Anrufung ein und fragt nach Wegen, Verborgenes an die Oberfläche zu holen. Stimme, Klang und körperliche Ausdrucksformen verweben sich dabei zu einem polyphonen Geflecht. Das Programm bewegt sich zwischen den experimentellen Soundarbeiten der DJ theories und einer Lecture-Performance der Soundkünstlerin Paula Schopf, lädt mit Nadja Kracu­novics Workshop »How to Perform a Scream« zur körperlichen Erkundung ein, lässt Butoh-Improvisation und Soprangesang in der Begegnung von Sofya Shaikut und Katsia Kaya zusammenfinden und klingt mit Jasmina Al Qaisis Radio-Performance und einem performativen Nachhall von Agata Siniarska aus.

Freitag, 12.06., 19 – 22 Uhr: Listening Session mit theories
theories ist eine audiovisuelle Künstlerin und Musiksammlerin aus Bogotá Berlin lebt. Seit über einem Jahrzehnt erforscht sie das klangliche Spektrum mit einem besonderen Fokus auf unerwartete Kompositionen, eigenwillige Elektronik, gebrochene Rhythmen und subtile klangliche Tiefenschichtungen. Durch die Verbindung atmosphärischer Klanglandschaften mit spontanen Setzungen schafft sie immersive Hörerfahrungen zwischen Bewegung und Stillstand. Ihre Sets eröffnen dem Publikum vielschichtige, klangliche Narrationen, die von Imagination, Harmonie und Rhythmus geprägt sind.

Samstag, 13.06., 14 – 16:30 Uhr: Workshop How to perform a scream (I keep a Roar in My Mouth) mit Nadja Kracunovic
How to Perform a Scream? ist eine Workshop-Reihe, die die Stimme als Werkzeug von Widerstand, Erinnerung und kollektivem Ungehorsam erforscht. Durch Stimmübungen, Text, Spoken Word, Polyphonie und experimentelle Chorpraktiken wird die Stimme als Ort persönlicher und politischer Geschichten aktiviert. Geleitet von der in Berlin lebenden interdisziplinären Künstlerin Nadja Kracunovic stützt sich das Format auf Performance, Kritische Theorie und Pädagogik und hinterfragt dominante Narrative durch Klang und körperlichen Ausdruck.

Samstag, 13.06., 17 – 18 Uhr: Lecture Performance mit Paula Schopf
Paula Schopf ist eine in Chile geborene, in Berlin lebende DJ, Produzentin, Klangkünstlerin und Forscherin. In den späten 1990er Jahren wurde sie unter dem Namen Chica Paula in der Berliner elektronischen Musikszene bekannt und war Teil der „Chilean Connection“ um Künstler*innen wie Ricardo Villalobos und Dinky. Heute umfasst ihre Praxis Klangkunst, Forschung und Lehre. Durch die Arbeit mit Field Recordings und synthetischen Klängen ermöglichen ihre Installationen und Performances eine Auseinandersetzung mit ästhetischen, sozialen und politischen Fragestellungen.

Samstag, 13.06., 19 – 20 Uhr: Performance von Sofya Shaikut, begleitet von der Sopranistin Katsia Kaya
Sofyas Stücke sind Einladungen, etwas anderes zu werden: ein Bild, ein Rhythmus, ein unbekanntes Wesen. Ihre im Butoh verwurzelte Praxis ist eine sich wandelnde Arbeitsweise, inspiriert vom Paradox der Unmenschlichkeit des Menschen. Sie versteht Choreografie als Beziehung zum Übermenschlichen und entwickelt Formen, die den Einzelnen vollständig erfassen und in etwas Anderes verwandeln. Ihre Improvisationen sind ein fortwährendes Werden und Vergehen, in dem unbekannte Präsenzen im Körper willkommen sind und ein Weg zum Sakralen entsteht, während der Körper sich im Gesang des Tanzes selbst vergisst.

Sonntag, 14.06., 14 – 15 Uhr: Radio Performance My deeds don’t fit my name. A circumlocution von Yasmeen Al-Qaisi
Yasmeen Al-Qaisi ist Autorin für Sprache und Papier und tritt gelegentlich auch in anderen Rollen auf, etwa als „wandelnde Wissenschaftlerin“, als „schnelle musikalische Hilfe“ oder als einzige Vertreterin des „Büros für selbsternannte Selbstberechtigung“. Yasmeen hört zudem mit ihren Händen zu und sorgt mit Klängen auf freien, unabhängigen, temporären, mobilen Radiosendern und öffentlichen Radiosendern für Aufsehen.

Sonntag, 14.06., 17 – 18 Uhr: Performance-Konzert SHOW ME THE BODY von Agata Siniarska alias TATARI
Der Körper ist nicht nur das, was in den Grenzen der Haut eingeschlossen zu sein scheint. Der Körper ist ein Konglomerat aus verschiedenen Zuständen, Dynamiken, Oberflächenstrukturen und Bildern. In seinen Möglichkeiten schafft er eine vielschichtige Landschaft aus Bewegung und Klang, er ist eine Symphonie aus Schwingungsfrequenzen. SHOW ME THE BODY ist eine Konzert-Performance, in der der Körper der Performerin verschiedene Intensitäten durchläuft. Konzept und Performance: Agata Siniarska a.k.a. TATARI in künstlerischer Zusammenarbeit mit rat milk.

PROGRAMM AKT II

LINE UP:

Freitag, 7.08
19 – 20 Uhr
BEARBONED
mit Nina Guo
Experimentelles Live-Hörspiel


Samstag, 8.08
16 – 16:45 Uhr
Artist Talk
mit Qusay Awad und Rand Abou Fakher

17 – 18 Uhr
Fuça
mit Marina Cyrino
Soundperformance

18:30 – 20 Uhr
DJ Set
mit DJ Sex

20:30 – 21:30 Uhr
I Was Better Until I Changed
mit Bilgesu Akyürek und Buğra Büyükşimşek
Performance


Sonntag, 9. August
17 – 19 Uhr
Somatische Übungen
mit Alvin Collantes und Thesea Rigou

Mit dem zweiten Akt unter dem Titel »Schmeckt denn der Weltraum, in den wir uns lösen, nach uns?« widmet sich das künstlerische Veranstaltungsprogramm vom 7. – 9. August 2026 dem Thema Transformation. Den Programmauftakt bildet das experimentelles Live-Hörspiel BEARBONED von Nina Guo am Freitagabend. Am Samstag wird in einem Artist Talk mit Qusay Awad der Stand seines künstlerischen Forschungsprojektes an der vielschichtigen Historie des Bärenzwingers thematisiert. Anschließend folgt eine Sound-Performance von der von Qusay Awad eingeladenen Marina Cyrino. Ein Set von DJ Sex sowie die Performance I was better Until I changed von Bilgesu Akyürek und Buğra Büyükşimşek, die Heilung als Prozess zeitgleichen Loslassens und Werdens befragt bilden das Abendprogramm. Den Abschluss am Sonntag machen somatische Übungen von Alvin Collantes und Thesea Rigou, die den Bärenzwinger und die derzeitige Jahresausstellung »Furore« durch angeleitete Bewegungen körperlich erfahrbar machen.

Freitag, 07.08., 19 – 20 Uhr: BEARBONED mit Nina Guo
Nina Guos künstlerische Praxis umfasst sowohl die Interpretation notierter Musik als auch die Improvisation.
Radio und Humor spielen in ihrem Schaffen eine große Rolle. Oftmals erschafft sie eine Vielzahl einfallsreicher Figuren und leiht ihnen ihre Stimme.

Samstag, 08.08., 16 – 16:45 Uhr: Artist Talk mit Qusay Awad und Rand Abou Fakher
Architekt und Multimedia Künstler Qusay Away entwickelt derzeit ein künstlerisches Forschungsprojekt im Rahmen des Bärenzwingers diesjähriges Jahresthema „Heimsuchen/Hauntings“. Die Forschung umfasst das Untersuchen von Archivmaterial, ortsspezifische räumliche Beobachtungen und Feldaufnahmen; das Projekt betrachtet den Bärenzwinger als einen Ort, an dem sich mehrere historische Schichten überlagern. Es geht der Frage nach, wie Architektur Erinnerung bewahrt und wie Spuren früherer Nutzungen an diesem Ort weiterhin nachwirken. Im Gespräch mit Rand Abou Fakher bietet Awad Einblicke in den Forschungsprozess sowie seine künstlerische Praxis.

Samstag, 08.08., 17 – 18 Uhr: Fuça mit Marina Cyrino
Marina Cyrino ist eine brasilianische Flötistin, Klangkünstlerin und Forscherin. Ihre Arbeit umfasst Improvisation, Komposition, selbstgebaute Instrumente und performative Installationen. Ihr Flötenspiel ist geprägt von Techniken, die durch den Einsatz eines Hyperverstärkungssystems entwickelt wurden, kombiniert mit einer Vielzahl von selbstgebauten Präparationen, Objekten, Spielzeugen und Luftballons, die am Instrument befestigt sind. Mal Konstruktion, mal Dekonstruktion, mal Fabulation – diese Techniken entspringen der Suche nach einer radikalen Neukonzeption dessen, wie eine Flöte klingen könnte, und beanspruchen eine intime klangliche Vorstellungskraft sowie eine verkörperte Materialität zurück, die die männlichen Zwänge einer heteropatriarchalen Tradition sowohl im Flötenspiel als auch im Flötenbau hinterfragt.

Samstag, 08.08., 18:30 – 20 Uhr: DJ Set mit DJ Sex

Samstag, 08.08., 20:30 – 21:30 Uhr: I Was Better Until I Changed mit Bilgesu Akyürek und Buğra Büyükşimşek
I Was Better Until I Changed betrachtet Heilung eher als einen fragilen Zustand denn als einen linearen Prozess. Anhand von Identitätswechseln, Masken, Ritualen und Intimität hinterfragt die Inszenierung, ob Heilung Erleichterung bringt oder den Verlust dessen erfordert, wer wir einmal waren. Während die Darsteller*innen um ihr früheres Selbst trauern und zwischen Widerstand und Anpassung hin- und herpendeln, löst sich die Grenze zwischen Heilung und Auslöschung auf. Das Stück hinterlässt beim Publikum eine offene Frage: Welche Art von Verlust akzeptieren wir, wenn wir uns für die Heilung entscheiden?

Sonntag, 09.08., 17 – 19 Uhr: Somatisches Übungen mit Alvin Collantes und Thesea Rigou
Unter der Leitung von Alvin Collantes und Thesea Rigou lädt dieser Workshop die Teilnehmerinnen dazu ein, die Ausstellung „Furore“ von Nina Paszkowski durch Bewegung und körperliche Reaktionen zu erkunden. Zwei Stunden lang führen Alvin und Thesea die Teilnehmenden durch Einzel- und Gruppenübungen, die von der Ausstellung sowie der Architektur und Geschichte des Bärenzwingers inspiriert sind. Der Workshop steht allen offen – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Tragt gerne bequeme, bewegungsfreundliche Kleidung und Schuhe.

Das Workshop-Konzept wurde ursprünglich von den KW Institute for Contemporary Art in Auftrag gegeben und von Thesea Rigou und Alvin Collantes entwickelt, in Kooperation mit Alexia Manzano.